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Der Orient in Freiburg

Jonas Navid Mehrabanian Al-Nemri studiert Deutsch und Geschichte. Sein orientalisch klingender Name verrät seine Wurzeln. Von dieser persischen Atmosphäre ist auch sein erstes Buch “Umm Nur – Erzählungen” eingehüllt. Beim Kaffee ohne Datteln erzählt er Heike wie das Buch entstanden ist und vom Finden der eigenen Kultur.

 

 

 

 

Jonas, du studierst Deutsch und Geschichte auf Lehramt an der Uni Freiburg und hast gerade dein erstes Buch veröffentlicht. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Ich hatte am BOK-Kurs “Kreatives Schreiben” an der Uni teilgenommen. Dort sind die ersten Geschichten entstanden. Ich habe einen Schreibstil gefunden der für mich funktioniert hat.

Mit “Harem”, einer der Geschichten, habe ich anschließend bei einem Wettbewerb in Freiburg und später bei einem landesweiten Uni-Wettbewerb zusammen mit zwei anderen Freiburgern teilgenommen. Ich bekam dort von Josef Haslinger eine sehr gute Rückmeldung zu meinem Text “Líla”. Er meinte der Text wäre die neue mythologisierende Innenwelt.

Das war super, so ein Kompliment von einem renommierten Autor zu bekommen! Und dann habe ich angefangen mehr zu machen…

 

Sehr oft ist es schwierig einen Verlag für seine Geschichten zu finden und das Manuskript landet in der Schublade. Wie hast du deinen Verleger gefunden?

Der worthandel : verlag ist ein kleiner Verlag, den ich total spannend fand, da er traditionell arbeitet und einen hohen Anspruch an die Manuskripte hat. Vor allem will der Verlag “das Zwischen den Zeilen” erfahrbar machen, was natürlich sehr gut zu meinem Buch passt, da es genau darum geht.

Ich habe den worthandel : verlegern einen Teil meines Manuskriptes geschickt, obwohl es noch gar nicht vollständig war. Sie haben mir noch am gleichen Tag zugesagt.

 

Das Buch kam am 14. Juli 2011 raus. Wie hoch ist die Auflage bis jetzt?

Es ist noch ein Anlaufdruck um zu schauen wie viele Leser es gibt. Das heißt es ist eine sehr kleine Auflage. Aber man kann das Buch schon überall bestellen.

 

Dein Schreibstil ist sehr interessant und besonders. Sehr melancholisch, auch traurig und teilweise ist der Inhalt dahinter nicht ganz klar. Was willst du damit aussagen?

Ich will damit die Grundmelancholie des Lebens vermitteln und das alles endlich ist. Es kommt mir weniger auf den Inhalt an, als auf das Gefühl, dass ich erzeugen möchte. Es war der Versuch einen Schreibstil zu verwenden, den man eben nicht so gut versteht.

Die Worte sollen an deinem Verstand vorbeigehen.

 

Wie sehr spielt deine eigene Herkunft eine Rolle?

Zu meinem persischen Vater habe ich seit meinem sechsten Lebensjahr keinen Kontakt mehr und bin daher sehr deutsch aufgewachsen. Obwohl ich wenig mit der persischen Kultur zu tun habe, trage ich ganz viel davon in mir. Das war schon interessant diese Seite von mir zu suchen und zu finden.

Ich bin unter Iranern nicht wirklich Iraner und unter Deutschen nicht wirklich Deutscher. Das Identitätsproblem spielt deswegen natürlich eine sehr große Rolle in meinen Geschichten. Es ist das Gemisch, welches im Buch zu tragen kommt. Ich habe viel mit der persischer Atmosphäre gearbeitet, es ist aber vor allem die deutsche Sprache, die dem Ausdruck verleiht.

 

Du studierst, bist verheiratet und hast zwei Kinder. Wie organisierst du das Schreiben?

Ich kann meistens nachts schreiben, aber dann schlafe ich zu wenig, weil meine Kinder mich morgens sehr gerne wecken. Die Gedanken und Ideen für “Umm Nur” kamen unberechenbar. Ich musste sie immer ganz schnell niederschreiben, ob in der Vorlesung oder während der Arbeit.

Ich habe es leider noch nicht so richtig raus, einen Schreibtag einzuplanen. Für mich ist es nicht so einfach, auf Knopfdruck kreativ zu sein. Gerade gegen Ende des Buches habe ich viel neben der Uni geschrieben. Und wenn die Uni viel von mir abverlangt, dann klappt das Schreiben oft nicht so gut.

 

Hat dein Studium dir auch geholfen, deinen Schreibstil und Ideen zu entwickeln?

Auf jeden Fall! Vor allem Islamwissenschaften und Vorderasiatische Altertumskunde, mit ihren alten Epen, die ich während meiner Studienzeit auch belegt hatte, waren wichtig und haben mir viel gebracht. Und natürlich Germanistik. Hier gibt es das “unzuverlässige Erzählen” was ich sehr faszinierend finde. Das wird besonders bei den nächsten Büchern wichtig sein.

 

Die nächsten Bücher?

Ja. Ich arbeite gerade an zwei neuen Manuskripten parallel. Es wird etwas klarer von der Sprache und einfacher zu lesen, der Stil bleibt aber erhalten.

 

Was sagen deine Bekannten und Freunde zum Buch?

Bei meinen Freunden bin ich immer sehr skeptisch. Die sagen sowieso, dass es gut ist. Aber die Rückmeldung vom Verlag zum Beispiel war auch sehr gut.

Sie haben das Buch zur Hotlist eingereicht. Das ist eine Liste auf die unabhängige Verlage ihre besten Bücher setzen lassen die dann zur Wahl stehen und letztlich drei Gewinner herausstechen. Auch wenn das Buch nicht gewonnen hat, war es ein sehr großes Kompliment.

 

Was heißt eigentlich der Buchtitel Umm Nur?

Umm Nur heißt Mutter des Lichts. Nur ist allerdings sowohl ein männlicher als auch ein weiblicher Name, also Mutter von Nur. Umm Nur ist auch der Titel einer der Geschichten.

Obwohl die Geschichten in meinem Buch unabhängig voneinander sind, gibt es einen Zusammenhang. Besonders die letzte Geschichte ist ein Höhepunkt. Sie ist sehr emotional. Ich hatte während des Schreibens selbst einen Kloß im Hals. Dramatisch und auch sehr schön.

 

 

Infos zum Buch

Umm Nur, Erzählungen
Jonas Navid Mehrabanian Al-Nemri
130 Seiten
worthandel : verlag
ISBN 978-3-935259-84-2

www.al-nemri.de

 

 

Fotos: Jonas Navid Mehrabanian Al-Nemri

 

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