Hallo, Grüezi und Salut – ein Campus, drei Länder

Hallo, Grüezi und Salut – ein Campus, drei Länder

„Denken kennt keine Grenzen“, so lautet der Werbespruch des European Campus. Fünf Universitäten bilden über drei Staatsgrenzen hinweg einen gemeinsamen Verbund. Das Projekt verspricht das Studieren, Lehren und Forschen in drei Ländern und das auf ganz einfache Art.

Seit Februar 2016 gibt es eine neue Grundlage für die Zusammenarbeit der Universitäten am Oberrhein, die bis dahin als „Europäische Konföderation der oberrheinischen Universitäten“, kurz Eucor, kooperierten. Die fünf Universitäten der Städte Basel, Mulhouse, Freiburg, Strasbourg und Karlsruhe bilden nun den European Campus. Nach mehr als zwei Jahrzehnten soll damit die Zusammenarbeit der fünf Mitglieder auf eine solide Grundlage gestellt werden.

Der Präsident von “Eucor – The European Campus” ist der Rektor der Uni Freiburg, Prof. Hans-Jochen Schiewer. Er erklärt, dass der European Campus dadurch einen Wissenschafts- und Forschungsraum ohne Mauern und Grenzen definiere.

„Gemeinsam“ ist das Schlüsselwort

Mit der „Rechtsgrundlage des europäischen Verbundes zur territorialen Zusammenarbeit“ (EVTZ) soll es möglich werden, neue und klarere Strukturen einzuführen. Ziel des European Campus sei es, gemeinsam als eine Universität aufzutreten. Erreicht werden solle das durch gemeinsame Doktorandenbetreuung, gemeinsam berufene Professuren und ein gemeinsames Studienangebot der Partneruniversitäten. „Das sind alles Vorteile, die wir jetzt als Rechtsverbund haben können und umsetzen müssen“, sagt Prof. Schiewer.

Studierende sollen in Zukunft frei entscheiden können, ob sie ihren Abschluss an einer, zwei oder sogar an drei Unis machen wollen. Wie das geht? Ganz einfach: Mit der Wahl eines gemeinsamen Studienganges soll es möglich sein, einen Doppel- beziehungsweise Dreifachabschluss zu erlangen. Momentan können Studierende zehn grenzüberschreitende Studienmöglichkeiten nutzen. Man befinde sich aber auf einem guten Weg, dass man die Abschlüsse in einigen Jahren für eine Vielzahl von Studiengängen einführen könne, sagt der Rektor.

Wer keinen bi- oder trinationalen Abschluss anstrebt, kann auch die Möglichkeit der „freien Mobilität“ nutzen. Dabei können Studierende einzelne Veranstaltungen an einer der Partneruniversitäten besuchen und sich die ECTS-Punkte an der Heimatuniversität anrechnen lassen.

Viele Vorteile für Studierende

„Studierende aus allen fünf Universitäten sammeln grundsätzlich gemeinsame Studienerfahrungen“, sagt Prof. Schiewer. Hierfür seien beispielsweise ab dem nächsten Jahr Sommerschulen geplant, die die gemeinsame Arbeit unter Studierenden fördern. „Das ist der erste Schritt hin zu dem Fernziel der Mehrfachabschlüsse“, ergänzt er. Die Vision sei es, Studierenden schließlich den Weg in den europäischen Arbeitsmarkt zu ebnen. Ebenso ermögliche es der European Campus, einfach Auslandserfahrungen zu sammeln und den interkulturellen Horizont zu erweitern.

Europa hat Zukunft

Getreu dem Motto „Denken kennt keine Grenzen“ sieht Prof. Schiewer keine größere Herausforderung wegen der derzeitigen Spannungen in der EU. Mit optimistischer Einstellung und einem Selbstverständnis als Europäer sagt er, dass die Überwindung von Grenzen gerade im universitären, akademischen Bereich einfacher sei.  Ein globales Denken der Universitäten sei dafür ein entscheidender Faktor und Spitzenforschung in Europa und in der Welt sei somit nur durch Kooperationen und Partnerschaften möglich.

Persönlich bedauert es Prof. Schiewer sehr, dass er erst nach dem Erlangen seines Doktortitels die Möglichkeit ergreifen konnte, im Ausland zu forschen und zu lernen. „Man kann nicht früh genug anfangen, Erfahrungen in anderen akademischen Kulturen zu sammeln“, sagt er.

Zur Brexit-Diskussion und der Stellung der Schweiz hat der Präsident einen klaren Standpunkt: „Wissenschaft ohne die Schweiz in Europa ist nicht denkbar und das gilt letztlich auch für England.“ Die Kooperation der Universitäten in Europa über Grenzen hinweg dürfe deshalb nicht unter nationalen Prinzipien leiden und die finanzielle Unterstützung der EU solle nicht ausbleiben.

„Das Ganze ist ein großes Experiment, das gab es noch nie“, sagt Rektor Schiewer. Dennoch sieht er sehr viel Potenzial in dem Projekt, das sich nun schnell entwickle.  Es könne bald als Modell für andere grenzüberschreitende Regionen dienen und befinde sich auf einem guten Weg zur ersten europäischen Universität – und das bei uns am Oberrhein.

Video

The European Campus [4:10 Min.]

Eucor steht für die europäische Konföderation der Oberrheinischen Universitäten und bietet Studierenden die Möglichkeit zeitweilig Einblicke in eine andere Universität zu gewinnen. Welche bürokratischen Hürden es zu meistern gilt, welche Erfahrungen Absolventen des Programms gemacht haben und warum es sich lohnt den eigenen Campus und Tellerand zu erweitern – darüber berichtet dieses Video.

Audio

Hier sind alle Campus zu sehen:

Info

Neugierig geworden? Schaut doch mal auf diesen Seiten vorbei:

Offizielle Webseite des European Campus: www.eucor-uni.org

Informationen zu Eucor – The European Campus seitens der Universität Freiburg mit allen wichtigen Verlinkungen: www.studium.uni-freiburg.de/studienbewerbung/austausch/eucor/
Der Downloadbereich hält von Formularen bis hin zu Erfahrungsberichten alles Wichtige bereit.

Mitgliedsuniversitäten:

Universität Basel
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Université de Haute-Alsace
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Université de Strasbourg

Eine Gemeinschaftsproduktion von Anna Linster, David Gollücke (Foto), Frederic Springer und Monja Stahlberger im Rahmen des Seminars „Einführung in den crossmedialen Journalismus“ für Studierende der Medienkulturwissenschaft.

Fotos Bildergalerie: Kollegiengebäude Uni Basel: Universität Basel, 
Jean-Baptiste-Donnet Gebäude Mulhouse: Gisele Jactat, Prof. Schiewer: Pressestelle Uni Freiburg,
Strasbourg & Freiburg: David Gollücke, KIT: Monja Stahlberger

Seminarleitung, Redaktion: Silvia Cavallucci, Ragna Plaehn, Horst Hildbrand.

Veröffentlicht am 18. August 2016

Empfohlene Artikel