“Letztlich ist man doch erst in den Sachen gut, die einem richtig Spaß machen”

“Letztlich ist man doch erst in den Sachen gut, die einem richtig Spaß machen”

Den Abschluss in der Tasche, die Welt steht völlig offen. Und jetzt? Wir wollen wissen: Was ist aus ehemaligen Freiburger Studierenden geworden? Heute erzählt IberoCultura-Absolventin Dorothea Wilhelm, wie sie Digital Marketing Managerin geworden ist.

Doro, du hast Ibero Cultura auf Bachelor in Freiburg studiert und arbeitest jetzt bei einer Marketingagentur im Bereich Social Media in München. Wie kamst du dazu nach deinem Studium im Marketingbereich zu arbeiten?

Ursprünglich war es mein Traum Journalistin zu werden. Allerdings habe ich nach einem Praktikum festgestellt, dass der Beruf doch nichts für mich ist. Manchmal stellt man sich Dinge anders vor als sie sind, deswegen ist es wichtig viel auszuprobieren. Ich habe selbst während meines Studiums verschiedene Praktika gemacht. Eines davon war bei einer kleineren PR Agentur. Dort hat es mir sehr gut gefallen, was mich dann auch zu der Entscheidung bewogen hat, nach meinem Studium ein Trainee-ship bei der PR-Agentur „Edelman“ im Social Media Bereich zu absolvieren. Vor eineinhalb Jahren bin ich dann zu meiner jetzigen Agentur „Lewis“ gewechselt.

War dir während deines Studium schon bewusst, dass du eigentlich beruflich in eine andere Richtung gehen möchtest?

Mir war ehrlich gesagt nicht so richtig klar, was ich mit meinem Abschluss anfangen soll. Einerseits ist man so breit ausgebildet, dass man viele verschiedene Möglichkeiten hat – andererseits wusste ich, dass das Angebot etwas mit Spanisch zu machen relativ klein ist und Jobs wie der als Kulturreferentin begehrt sind. Ich hatte keine Lust mehr weiter zu studieren und wollte nach dem Studium lieber direkt anfangen zu arbeiten. Deswegen kam ein Master oder eine Promotion an der Uni für mich nicht in Frage. Insgesamt habe ich mich nie festgelegt gefühlt, in dem was ich später mal arbeiten möchte. Ich habe das gemacht worauf ich Lust hatte und dadurch haben sich immer neue Türen geöffnet. Dieser Weg hat mich letztlich auch zu dem Job geführt, der mir Spaß macht.

Gab es auf dem Weg zu deinem jetzigen Job auch Situationen, in denen du dich orientierungslos gefühlt hast?

Nach meinem Studium habe ich zuerst ein Praktikum bei einer Reiseplattform gemacht. Obwohl mein Aufgabenbereich im Marketing sein sollte, habe ich letztlich nichts anderes gemacht als Reisen übers Telefon zu verkaufen. Das entsprach leider nicht meinen Vorstellungen und daher habe ich relativ schnell gekündigt. Das war erst mal frustrierend. Ich hatte Sorge keinen Job mehr zu finden und mit nichts außer meinem Abschluss da zu stehen. Natürlich war mir das in dem Moment nicht bewusst, aber die Sorgen und Ängste waren unbegründet – nur drei Monate später habe ich angefangen bei der Agentur Edelman zu arbeiten.

Was sind deine Aufgabenbereiche bei deinem momentanen Arbeitgeber, der PR- und Kommunikationsagentur Lewis?

Mein Job dreht sich hauptsächlich um das Thema Social Media. Dazu gehört das Verfassen von Inhalten für die einzelnen Social Media Kanäle wie Facebookstatus, Tweets oder Instagramposts. Ich kümmere mich auch um die Auswertung der Posts sowie um die Vermarktung der Social Media Kanäle unserer Kunden. Zum Beispiel steuere ich Werbekampagnen, welche auf Facebook als „gesponsort“ angezeigt werden.

Welche Faktoren spielen bei der Gestaltung solcher Werbekampagnen eine wichtige Rolle?

Das sind immer mehrere Faktoren. Entscheidend ist zum einen die Zielgruppe. Hierbei differenziert man zwischen dem Konsumenten, also die Privatperson, die ein Produkt nutzt und „Business to Business“ (B2B), bei dem es um die Geschäftsbeziehung zweier Unternehmen geht. Daneben ist auch wichtig, was das Unternehmen mit seiner Kampagne auf den Social Media Kanälen erreichen möchte: Dem einem Unternehmen ist es vielleicht wichtig, dass der eigene Social Media Kanal schnell wächst, ein anderes möchte mehr Besucher für seine Website bekommen und mehr Produkte verkaufen. Diese unterschiedlichen Ziele stellen einen immer wieder vor neue Herausforderungen zum Beispiel wie schaffe ich es, dass der Kunde ein Produkt online nicht nur anklickt, sondern auch kauft.

Auch die Charakteristik der Plattform, auf der ich werbe, ist im Entwicklungsprozess der Kampagne von Bedeutung. Neben den bekannten sozialen Netzwerke wie Facebook oder Instagram gibt es auch Business Netzwerke wie Xing oder LinkedIn. Dort bewegen sich die User als Berufstätige und diskutieren andere Themen wie auf privat genutzten Netzwerken wie Facebook und Instagram. Das muss beim Einstellen der Kampagnen berücksichtigt werden. Samstagabend ist niemand so aktiv auf Xing wie auf Facebook.

Soziale Medien haben sich über relativ kurze Zeit rasant entwickelt. Hast du selbst, seit du deinen Job im Marketingbereich hast, Veränderungen in der sozialen Medienwelt mitbekommen?

 Was Social Media Trends betrifft, hinkt Deutschland anderen Ländern ein bisschen hinter her. Twitter ist zum Beispiel um einiges populärer in England und Frankreich und Instagram wurde vor drei Jahren in Deutschland deutlich weniger genutzt als heute.

Es ist ein längerer Prozess bis eine Plattform von der Masse angenommen wird und man dann als Unternehmen auch aktiv Werbung auf dieser Plattform betreiben kann. Zudem muss die Möglichkeit des Werbens überhaupt gegeben sein. Instagram ermöglicht Werbeanzeigen erst seit letztem September. Ich habe, seit meinem Job im Social Media Bereich, den Aufstieg von Snapchat als neues soziales Netzwerk in Deutschland mitbekommen.

Welche Bedeutung haben soziale Medien im Marketingbereich?

Eine extrem hohe. Unternehmen, die sich auf Konsumenten konzentrieren, haben das auch schon erfasst und umgesetzt, wohingegen einige B2B-Unternehmen noch nachziehen müssen. Durch die Menge an Daten, die soziale Netzwerke generieren, kann man Botschaften genau platzieren und die Zielgruppe perfekt ansprechen. Dadurch hat man mehr Kontrolle, wen die Werbeanzeige erreichen soll. Bei Fernsehwerbung kann man beispielsweise deutlich schwieriger Aussagen über die tatsächlichen Zuschauer treffen. Bei Facebook kann man Alter, Geschlecht, Interessen und sogar bis zu 25 Kilometer genau den Ort, der gewünschten Zielgruppe, auswählen. Andere soziale Netzwerke sind da zwar weniger präzise, aber ich glaube, dass sich auch diese, durch genauere Datensätze, immer weiter professionalisieren werden.

Neben deinem Job bei Lewis, betreibst du noch den Foodblog „Kochgehilfin“. Wie kamst du dazu?

Ich habe schon immer gerne gekocht, dadurch entstand auch die Idee zu einem eigenen Foodblog. Anfangs hatte ich Zweifel, ob es bei den Massen an Foodblogs im Internet, jetzt wirklich noch einen weiteren von mir braucht, aber ich hatte Lust drauf und dachte mir ich probiere es einfach mal aus. Alles lief dann nach dem „learning by doing“ Prinzip. Ich musste mich zunächst in vieles neu einlesen, zum Beispiel wie man einen Blog technisch einrichtet oder wie man schöne Foodfotos macht. Letztlich hilft mir aber auch die Erfahrung aus meinem Job beim Bloggen. Viele Besucher sind über meine Social Media Kanäle auf meinen Blog aufmerksam geworden.

Welchen Rat würdest du Studierenden, die gerade ihren Abschluss gemacht haben, mit auf den Weg geben?

Macht das worauf ihr Lust habt, probiert euch aus, dann findet ihr euren Weg. Letztlich ist man doch erst in den Sachen richtig gut, die einem Spaß machen.

Info

Der Studiengang IberoCultura befasst sich mit verschiedenen Aspekten aus der hispanischen-lateinamerikanisch orientierten Sprach-, Literatur-, Kultur- oder Gesellschaftswissenschaft.

Genauere Information zum Studium gibt es hier: studium.uni-freiburg.de

Doras Kochblog findet ihr unter kochgehilfin.de

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Foto: Alessa Heimburger
Veröffentlicht am 27. September 2016

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