Die spinnen doch

Die spinnen doch

Er dreht sich und soll angeblich beruhigend sein – aber was kann der Fidget Spinner eigentlich noch? Was steckt hinter der Erfolgsgeschichte und welche verrückten Ausführungen sind mittlerweile auf dem Markt? Und wie kann man sich einen Spinner selbst basteln?

Fidget Spinner, das sind kleine Handkreisel mit einem Kugellager in der Mitte, die aktuell überall zu sehen sind. Die eigentliche Erfinderin ist Catherine Hettinger aus Florida, die den Kreisel schon Mitte der Neunziger entwickelte. Zu dieser Zeit gelang ihr damit aber nicht der Durchbruch, Spielzeugfabrikanten lehnten die Produktion ab und nach einigen Jahren konnte sie das Patent auf ihre Erfindung aus finanziellen Gründen nicht mehr halten. Anfang dieses Jahres verbreitete sich das Spielzeug rasant über die sozialen Medien und ist mittlerweile ein internationales Phänomen. Die Erfinderin geht bei den riesigen Umsätzen des heute in China produzierten Teils leer aus.

Der Hype um das kleine Plastikteil

Als Anfang des Jahres 2017 in Deutschland noch kaum jemand vom Fidget Spinner gehört hatte, war der Trend in den USA schon in vollem Gange. Seit April ist der Spinner auch bei uns angekommen und seine vermeintlichen positiven Effekte auf die Psyche sind viel diskutiert. Dr. Tobias Stächele, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Biologische und Differentielle Psychologie an der Universität Freiburg, zweifelt am therapeutischen Nutzen des Spinners bei Konzentrationsmangel und ADHS, wofür dieser in Amerika schon seit längerem verwendet werde. „Ich halte das nicht für ein Tool, das automatisch Stress reduziert, sondern das ist etwas, das momentan, kurzfristig eine gewisse Beruhigungswirkung hat.“

Während die einen sagen, dass der Spinner eine stressabbauende Wirkung habe, ist er für die anderen nicht viel mehr als ein banales Spielzeug. Eines ist jedoch offensichtlich: Der Fidget Spinner hat es in kürzester Zeit geschafft, dass fast jeder von ihm spricht oder zumindest von ihm gehört hat. Auf YouTube gibt es mittlerweile über 10 Millionen Beiträge zu Tricks und ähnlichem unter dem Stichwort „Fidget Spinner“, die Unmengen an Klicks erzielen. Er wird als neuentdeckter Kreisel oder Jo-Jo bezeichnet und die New York Times nennt ihn den „Hula-Hoop der jungen Generation“.

Trend in Freiburg klingt ab

In einigen Freiburger Läden sind Fidget Spinner im Moment zwar ausverkauft, die Ladenbesitzer machen sich jedoch Gedanken darüber, ob sie überhaupt noch große Mengen nachbestellen sollen, wie ein Verkäufer sagt. Auch der Freiburger Trendforscher Sacha Szabo hat Bedenken bezüglich der Halbwertszeit des Spinners. Er rechnet damit, dass bereits nach den diesjährigen Sommerferien der Hype zurückgehen werde und dass man spätestens im nächsten Jahr die ausrangierten Trendteile in den Wühlkisten der Flohmärkte finde. Dies sei spezifisch für Konsumtrends, da sie häufig relativ schnell ihre Exklusivität und somit ihren Reiz verlieren.

Auch für Erwachsene interessant

Bisher sind die Spinner vor allem auf Schulhöfen verbreitet. Jedoch bestehe die Käufergruppe nicht nur aus Minderjährigen, wie der Inhaber des Souvenir- und Spielwarenladens „Schmuckstück“ in der Freiburger Altstadt berichtet. Auch

Erwachsene und mitunter Professoren kämen zu ihm, um das Trendteil zu erwerben.

Trendforscher Szabo – selbst im Besitz eines Spinners – kann die Faszination nachvollziehen. Ähnlich geht es auch Anselm Geserer, Alumni-Preisträger der Soziologie an der Universität Freiburg, der ebenfalls einen Fidget Spinner besitzt. Ihn beeindrucke, dass von einem so unnützen Gadget eine solche Anziehungskraft ausgehe. „Der Grund könnte sein, dass auch manche Erwachsene davon fasziniert sind, weil sie damit einfach eine Auszeit vom rationalen Alltag bekommen.“

Seinen Zweck Stress abzubauen kann der Fidget Spinner also erfüllen, wenn man ihm diese Funktion zuschreibt. „Wenn ich gelernt habe Stress abzubauen, indem ich einen Tisch immer wieder hoch- und runterhebe, geht das damit auch. Es ist also nicht unbedingt der Fidget Spinner, sondern viel mehr das Training.“

Audio

Jojo, Fingerskateboard oder Knetschleim. Viele werden sie noch kennen. Es ist ein wiederkehrendes Phänomen: Kleine Gadgets kommen auf den Markt und lösen einen riesigen Hype aus, bis sie wieder von der Bildfläche verschwinden. Dieses Jahr sorgte der Fidget Spinner – besonders im Internet – für Furore.

Video: Mehr oder weniger Stress?

Verrückte Modelle

Den Fidget Spinner gibt es nicht nur als Standardmodell, mittlerweile sind verschiedenste Ausführungen auf dem Markt, hier einige Beispiel:

  • Im BlueSpin ist eine Bluetooth Funktion integriert, mithilfe derer man sich seine Daten ans Handy schicken lassen kann. Angezeigt werden dabei Drehzahl und Geschwindigkeit und es lassen sich Rekorde aufstellen.
  • Fidget Spinner mit eingebauten Musikboxen sorgen für besonders gute Stimmung.
  • Durch LED‘s an den Armen entsteht bei der Drehung ein Lichtkreisel.
  • Sonderanfertigungen oder Modelle aus Gold und Silber lassen sich bis zu 1.600 Euro kosten.Besonders beeindruckend (allerdings auch nicht ungefährlich) sind Spinner mit Feuerzeugen als Arme, die mit der Drehung einen Feuerring entstehen lassen.
  • Die wohl sinnloseste Form des Fidget Spinners: Apps, in denen man den teils selbst designten Spinner auf dem Handy Display drehen kann.

DIY Fidget Spinner

Für alle die gerne kreativ werden wollen haben wir eine Bastelanleitung in einer Bildergalerie zusammengetragen.

Als Material werden sechs Flaschendeckel, eine Kugelschreibermine, eine Büroklammer, drei Münzen, eine Heißklebepistole, eine Schere und eine Schraube zum Bohren benötigt.

Eine Gemeinschaftsproduktion von Julia Hennemann (Fotos), Eva-Maria Faißt, Aaron Mogler und Nikolaus Rhein im Rahmen des Seminars „Einführung in den crossmedialen Journalismus“ für Studierende der Medienkulturwissenschaft.

Gemafreie Musik von www.cazyland-music.de

Seminarleitung, Redaktion: Silvia Cavallucci, Ragna Plaehn, Horst Hildbrand

Veröffentlicht am 12. September 2017

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