Album der Woche: Altin Gün – On

Album der Woche: Altin Gün – On

Man könnte glauben, das Genre Funk und die popkulturelle Tradition der Türkei seien zwei Sphären, die absolut nichts miteinander zu tun haben. Doch in den 70ern war türkischer Funk ein überaus populäres Phänomen – zumindest innerhalb der Landesgrenzen. Der gemeine mitteleuropäische Musikhörer konnte mit der orientalischen Spielart des Genres damals erwartungsgemäß nichts anfangen. Knapp 40 Jahre später wagt die Band Altin Gün jedoch einen neuen Überzeugungsversuch.

Das Debütalbum von Altin Gün ist nicht nur das jüngste Symptom einer globalisierten, auf kulturästhetische Präferenzen pfeifenden Popwelt – es ist auch eine traditionsbewusste Verneigung von Bands wie Moğollar oder 3 Hür-El, die bereits zwischen 1970 und 1977 amerikanische Popeinflüsse mit arabischem Intervallverständnis vermengten. Um so skurriler erscheint es, dass das Projekt nicht von einem türkischen Künstler, sondern von einem Niederländer ins Leben gerufen wurde.

Als Jasper Verhulst, Bassist in der Psychedelic-Pop Band von Jacco Gardner, in Istanbul ein Konzert spielte, verliebte er sich sofort in den Sound jener unwahrscheinlichen Musikdekade und machte sich zusammen mit seinen Kollegen auf die Suche nach türkischen Mitmusikern, mit denen er seine Vision einer adaptierten Spielart realisieren konnte. Es ist also schwer zu sagen, um was es sich bei Altin Gün nun genau handelt – um den exotischen Spleen eines nostalgischen Mitteleuropäers oder doch um die authentische Revitalisierung eines Stücks vergessen geglaubter Musikgeschichte. Vermutlich liegt die Antwort irgendwo dazwischen.

von Julian Tröndle

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Mehr zur Platte erfahrt ihr am Dienstag, 20.03.2018, ab 19.00 Uhr

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Veröffentlicht am 20. März 2018

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