Album der Woche: Mitski – Be The Cowboy

Album der Woche: Mitski – Be The Cowboy

Wer oft den Wohnort wechselt und viel herumreist, hat kaum Zeit enge Bande zu knüpfen. Da mag es hilfreich sein, sich mit der Einsamkeit anzufreunden. Ein Thema, das die amerikanisch-japanische Sängerin Mitski Miyawaki in ihrem neuen Album immer wieder aufgreift. Betrachtet man die Rastlosigkeit mit der die 27-Jährige in den letzten Jahren durch die Welt tourte und Songs produzierte, scheint sie ihre Konstante in der Musik gefunden zu haben.

Ihre Texte handeln von Persönlichem, sie singt über Liebe und Beziehungen und bietet dennoch kaum Angriffsfläche. In „Nobody“ etwa legt Mitski eine abgeklärte Disconummer hin, die mit so aberwitzigen Tonartwechseln daherkommt, dass die thematisierte Einsamkeit fast in den Hintergrund rückt. Kaum beginnt man zu tanzen, stolpert man über Zeilen wie „And I know no one will save me, I’m just asking for a kiss“ – Bei Mitski klingt das nicht melancholisch, sondern wie die analytische Betrachtung ihrer aktuellen Gefühlslage aus gesunder Distanz. Die Wiederholung des Wortes „Nobody“ in unterschiedlicher Intonation löst das Wort nahezu von seiner Bedeutungsebene und lässt es seltsam abstrakt wirken. Dazu passend das Albumcover: eine Nahaufnahme ihres Gesichts, der Blick bleibt distanziert. Im Vergleich zum Vorgänger gibt es kaum Raum für Gefühlsausbrüche. So zeugt das aktuelle Album wohl von Mitskis Erfahrung, dass Frauen mit starker Emotionalität schnell als hysterisch gelten. Ihre zarte Stimme klingt daher vor allem kontrolliert, stellenweise wie unbeteiligt. Dafür entfaltet sich in den kurzweiligen 14 Tracks Mitskis musikalischer Ideenreichtum, die Songs sind ebenso von Eingängigkeit wie Diversität geprägt.

Das Album erscheint zunächst wie ein wohl konstruiertes Performance-Kunststück und kommt in gewisser Weise unnahbar daher. Es bleibt jedoch aufgrund seiner Vielfältigkeit ein nicht minder wertvolles Hörerlebnis, das bei genauem Hinhören auch Intimität preiszugeben vermag. In Puncto Einsamkeit kommt Mitski übrigens im Song „Lonesome Love“ zu ihrer ganz eigenen Erkenntnis: „Nobody fucks me like me.“

von Julia Caspers

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Mehr zur Platte erfahrt ihr am Dienstag, 28.08.2018, ab 19.00 Uhr

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Veröffentlicht am 28. August 2018

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