1. Das Leben ist ein Fest – Claire Berest
Furchtlos und farbenfroh – das ist das Leben von Frida Kahlo, um das es in „Das Leben ist ein Fest“ geht. Die französische Autorin Claire Berest zeichnet in ihrem Buch, das sich zwischen Roman und Biografie bewegt, das Leben der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo in einfühlsamen und leuchtenden Bildern nach.
Der Fokus liegt zu großen Teilen auf der (Liebes-)Geschichte mit dem älteren Maler Diego Rivera, ohne jedoch Frida Kahlo als eigenständige Person zu unterschätzen. Lesende erfahren, wie sehr ihr Leben und vor allem ihr Körper von Schmerzen gezeichnet war, aber auch wie sehr sie das Leben genossen hat, für ihre Überzeugungen eingestanden ist und welche Art Künstlerin sie war. Passend dazu sind die einzelnen Kapitel im Buch mit Farben überschrieben. Ein Umstand, der noch besser zum französischen Originaltitel passt: „Rien n‘est noir“.
Das Buch lebt vor allem von seiner Sprache, die viel Wert auf plastische Beschreibungen und Sinneseindrücke legt, wodurch man sich als lesende Person den Figuren und der Geschichte sehr nah fühlt. Frida liebt, lebt und leidet – und die Lesenden mit ihr.
Jule Bürgi
2. Die Vegetarierin – Han Kang
Yong-Hye ist eine unscheinbare Person, die still ihren ehelichen Pflichten im Haushalt nachgeht, um ihrem arbeitenden Mann eine gute Ehefrau zu sein. Unterwürfig und pflegeleicht. Genau das, was ihr Umfeld von ihr erwartet. Bis zu dem Tag, an dem sie beschließt, sich nicht mehr von tierischen Produkten zu ernähren. Ein erster stiller Akt der Rebellion, den sie auf Nachfragen hin mit dem immer gleichen Satz begründet: „Ich hatte einen Traum.“
Die Wesensveränderung der Protagonistin wird zwischen Lust und Wahnsinn beschrieben. Auf der Suche nach Selbstbehauptung entgleitet sie Stück für Stück der Realität.
Die Literaturnobelpreisträgerin Han Kang fasziniert mit ihrer kafkaesken Erzählweise. „Die Vegetarierin“ ist ein Roman, der zwischen den Zeilen viele Botschaften vermittelt, Kritik an den patriarchalen Strukturen übt und trotzdem Raum für Interpretationen lässt.
Luzia Hötger
3. Atmosphere – Taylor Jenkins Reid
In Atmosphere erzählt Taylor Jenkins Reid die Geschichte von der Astrophysikerin Joan Goodwin, die in den 80er Jahren als einer der ersten Frauen für das Space-Shuttle-Programm der NASA arbeitet. Joan interessiert sich schon immer für die Sterne und als sie hört, dass die NASA Frauen sucht, die Astronautin werden wollen, bewirbt sie sich. Zusammen mit qualifizierten Piloten, Commanders und Ingenieurinnen beginnt sie sich auf ihren Flug ins All vorzubereiten.
Atmosphere beschäftigt sich viel mit dem Sexismus der 80er Jahre und beschreibt, wie schwer Frauen es in beruflichen Strukturen haben, die vor allem von Männern dominiert sind. Die Geschichte rund um die Raumfahrt ist sehr gut recherchiert und man lernt viel über den Weltraum und das Arbeiten in der NASA. Aber auch für alle, die sich nicht für die Raumfahrt interessieren, bietet Atmosphere einen spannenden Plot rund um Familienverhältnisse, Beziehungen zwischen Schwestern und eine queere Liebesgeschichte.
Romina Toniatti
4. Belinda – Maria Edgeworth
Belinda Portman ist jung, hübsch und entbehrt auch sonst keine Eigenschaft, die es für “eine gute Partie” bedarf. Um sie “unter die Haube zu bringen”, wird sie von ihrer Tante, die im unguten Ruf einer raffinierten Kupplerin steht, nach London geschickt. In der Obhut der legendären Lebedame Lady Delacour begreift Belinda rasch, dass sich deren Leben allein um Gesellschaften, Bälle und den Wunsch zu gefallen dreht, insbesondere dem galanten Tausendsassa und jungen Gentleman Mr. Hervey, der auch Belinda gut gefällt.
Auf ihrem Weg zum Glück sieht sich die junge Heldin nicht nur mit Vorurteilen, Bevormundung und Eifersucht konfrontiert, sondern auch mit einer Gesellschaft, in der sich Schein und Sein einen so eifrigen Wettkampf liefern, dass es schwerfällt, echte Zuneigung zu fassen. Ich empfehle das Buch, weil Belinda Mut macht, zu sich selbst zu stehen.
Jorgos Borchert
5. Our Wives Under the Sea – Julia Armfield
Sechs Monate – so lange wartete Miri auf die Rückkehr ihrer Frau Leah von einer U-Boot-Forschungsreise, die eigentlich nur drei Wochen dauern sollte. Auf der Suche nach Antworten wird Miri immer wieder von den Verantwortlichen abgespeist, bis es heißt, die Meeresbiologin sei in der Tiefsee verschollen. Doch nachdem Leah als eine von zwei Überlebenden wider Erwarten auftaucht, ist nichts wie davor. Miri erzählt den Lesenden von den zunehmend beunruhigenden Veränderungen, die sie an ihrer Frau und deren Körper beobachtet, während Leah beschreibt, was unter Wasser tatsächlich passiert ist – doch miteinander reden sie kaum.
„Our Wives Under the Sea“ ist ein traurig-schönes Buch, das die Lesenden langsam an ihrer Realität zweifeln lässt. Zwar als mysteriöses Horror-Drama vermarktet, handelt es letztendlich aber von Liebe, von der Angst vor Verlust und vom Loslassen.
Klare Leseempfehlung für alle, die mal wieder so richtig weinen wollen!
Lilli Wörz



