1. Fünf Tage im Licht – Rhiannon Lucy Cosslett 

Türkisblaues Meer, die gleißende Sonne über Griechenland und eine leidenschaftliche Affäre. Sophie ist mit ihren Freundinnen zum Junggesellinnenabschied der gemeinsamen Freundin Helena nach Griechenland geflogen. Fünf Tage haben sie gemeinsam – dann kommen ihre jeweiligen Partner nach. Fünf Tage, in denen Lebensentscheidungen hinterfragt und bestehende Konflikte ausgetragen werden.

Der Junggesellinnenabschied ist zwar der Aufhänger des Plots, im Vordergrund stehen allerdings Themen wie weibliches Begehren, Körperwahrnehmung und weibliche Kunstgeschichte. Die Hauptperson Sophie ist Malerin und fertigt in diesen Tagen ein Aktporträt ihrer Freundin Alessia an. Immer wieder gibt es auch kursiv gesetzte Teile des Textes, in denen Sophie Zwiegespräche mit für sie prägenden, realen Werken der weiblichen Kunstgeschichte führt.

Ein Roman, der die Atmosphäre eines flirrenden Sommers mit existentiellen Beobachtungen weiblicher Identität verwebt.

Jule Bürgi

 

2. Beach Read – Emily Henry

Wer Lust auf eine leichte, romantische Lektüre hat, liest am besten das Buch “Beach Read” der New York Times Bestseller-Autorin Emily Henry, das auf deutsch: “Verliebt in deine schönsten Seiten” heißt. Die Protagonistin January zieht in das Haus ihres verstorbenen Vaters, das an einem See in der fiktiven Stadt “North Bear Shores, Michigan” liegt. Um der Schreibblockade für ihr neues Buch zu entkommen, tauscht die Romantik-Autorin mit Vorliebe für Happy-Ends, das Genre mit Belletristik-Autor und Pessimist Augustus. Als Nachbarn und ehemalige Kommilitonen führen sie sich in die Arbeit des jeweils anderen ein. Diese Beziehung bleibt natürlich rein platonisch …

Das Buch zeichnet sich durch seinen humorvollen, charmanten Schreibstil und einer Atmosphäre aus, in der man sich sofort verliert. Emily Henry fängt die flirrende Sommerhitze, die langen, warmen Abende am See und den entspannten Kleinstadtcharme so lebendig ein, dass es das Setting zu einem Ort macht, an den man immer wieder zurückkehren möchte.

Rebekka Hauber

 

3. Malibu Rising – Taylor Jenkins Reid

Sommer, Sonne, Malibu? Trotz des leichten Sommersettings hinterlässt Taylor Jenkins Reid’s Roman “Malibu Rising” ihre Leser*innen nachdenklich. Die Geschichte rund um die Familie Riva wird in zwei Strängen erzählt. In dem einen erfahren wir, wie die junge June den Musiker Mick Riva kennenlernt. June möchte dem tristen Alltag ihrer Familie entfliehen und heiratet den attraktiven Mick Riva kurz vor seinem Durchbruch als weltbekannter Musiker der 1960er und 70er Jahre. Sie bekommen Kinder und scheinen glücklich, bis sie es nicht mehr sind.

Der zweite Erzählstrang wird aus der Sicht der Kinder erzählt, vor allem aus der Sicht der ältesten Tochter und Supermodel Nina Riva. Sie bereitet ihre alljährliche Party für die Prominenz der 80er Jahre vor. Immer mehr Partygäste erscheinen und mit ihnen immer mehr Geheimnisse.

Malibu Rising erzählt eine komplexe Familiengeschichte rund um Ruhm, Armut, Verantwortung und die Frage, ob man die Fehler seiner Eltern wiederholt.

Romina Toniatti

 

4. Evelina – Frances Burney

Mit ihrem Briefroman „Evelina, oder der Eintritt einer jungen Dame in die Welt“ legte Frances Burney 1778 den Grundstein ihres literarischen Erfolges – und schuf eine Art „literarischer Zeitkapsel“.

In 87 Briefen entfaltet sich Evelinas aufregende Geschichte, die aus dem idyllischen Leben ländlicher Zurückgezogenheit mitten hinein in das turbulente Treiben der Londoner Gesellschaft führt. Dabei zeichnet Burney eine junge Heldin, die das Neue nicht scheut, aus ihren Fehlern lernt und Widrigkeiten erfolgreich trotzt.

„Evelina“ ermöglicht den Lesenden, eine schillernde Zeitreise in das gesellschaftliche Leben Londons im ausgehenden 18. Jahrhundert zu machen, und dessen Sonnen- und Schattenseiten gemeinsam mit der Heldin zu entdecken. Dabei durchlebt man Freude, Ärger und so manche Überraschung …

Jorgos Bochert

 

5. How to Read Water – Tristan Gooley

 Wer auf das Meer sehen möchte und mehr sehen möchte, muss das Natur- und Ratgeberbuch „How to Read Water. Clues & Patterns from Puddles to the Sea“ von Tristan Gooley lesen. Man muss kein Wissenschaftler sein, um unter die Oberfläche blicken zu können.

Gooley ist darauf spezialisiert, die Zeichen der Natur zu deuten. Auf seinen vielen Expeditionen wurde er Experte für natürliche Navigation, lernte dabei von den Tuareg in der Libyschen Sahara und testete Wikinger-Methoden auf dem Weg von den Orkney-Inseln in den Arktischen Kreis.

In diesem Buch erzählt er von einfachen Wegen, Wasser zu lesen und zu deuten. Ob Seen, Flüsse, Meere oder Pfützen – sie alle können uns so viel verraten, wenn wir nur wissen, wie man zuhört. Gooley beschreibt auf eine ganz alltägliche und erzählerische Weise, welche Bedeutung die Farbe, der Klang, das Wetter und die Wellen eines Gewässers haben und wie wir dadurch mehr über die Natur, die vor uns liegt, erfahren können.

Viktoria Ibach

 

6. Ein ganzes halbes Jahr – Jojo Moyes

Zwei Welten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, treffen in dem Roman von Jojo Moyes aufeinander. Sechs Monate haben Will und Louisa zusammen – ein ganzes halbes Jahr, was sich lebensverändernd auf die beiden auswirkt.

Die Autorin legt in ihrem Roman den Fokus auf eine ganz andere Art der Liebesgeschichte. Dabei steht vor allem das Leben von Louisa Clark im Vordergrund. Die Protagonistin lebt in einer Kleinstadt in England und durch Zufall gerät sie an einen Job, der ihr Leben auf den Kopf stellt. Sie beginnt für Will Traynor zu arbeiten, der nach einem Unfall im Rollstuhl sitzt und fast vollständig gelähmt ist. Louisa kämpft dafür, dass Will sein Glück im Leben wiederfindet und will ihm ein Stück seines alten Lebens zurückgeben.

Jojo Moyes vereint in diesem ersten von drei Teilen eine besondere Liebesgeschichte mit Schicksalsschlägen und der Dramaturgie eines Lebens, das nicht mehr lebenswert erscheint.

Marla Karweg

 

7. Man vergisst nicht, wie man schwimmt – Christian Huber

Es ist der 31. August 1999 in einem kleinen Ort in Bayern. Für den 15-jährigen Pascal, der von allen nur Krüger genannt wird, gehören die Freibadpommes mit seinem besten Freund Viktor zu den wenigen guten Dingen des Sommers. Schwimmen gehen möchte er nicht mehr und verlieben will er sich erst recht nicht. Wieso, das vertraut er nur seinem Notizbuch an. Doch dann taucht plötzlich das Zirkusmädchen Jacky auf und stellt sein Außenseiterdasein auf den Kopf. Sie ist das genaue Gegenteil von ihm – lässig, mutig und abenteuerlustig. Gemeinsam stellen sie sich ihren Ängsten und erleben etwas ganz Besonderes: „Ein Tag wie ein Leben“.

Mit seinem atmosphärischen Schreibstil verzaubert Christian Huber die Leser*innen und lässt eine längst vergangene Zeit lebendig werden. Die gelungene Balance aus Leichtigkeit, Nostalgie und Spannung macht diesen Roman zur idealen Begleitung für warme Sommertage.

Luzia Hötger

 

8. Big Swiss – Jen Beagin

Big Swiss – so nennt die 45-jährige Greta, die für den exzentrischen Sex-Coach „Om“ als Schreibkraft arbeitet, eine seiner Klientinnen. Greta kennt Big Swiss Namen zunächst nicht, denn sie transkribiert lediglich anonyme Mitschnitte von Om’s Coaching-Sitzungen. Aber sie kennt die Stimme der Klientin – welche sie plötzlich wieder hört, als sie mit einer Fremden ins Gespräch kommt. Und obwohl Big Swiss oder Flavia, wie Greta herausfindet, verheiratet ist, beginnen die beiden eine Affäre.

Jen Beagin erzählt eine wundervoll seltsame Geschichte, die nicht nur von Gretas Lügen und der Affäre mit Flavia handelt, sondern auch von ihrer kuriosen Wohngemeinschaft mit ihrer Vermieterin Sabine und einer Kolonie Bienen.

Lilli Wörz

 

9. Hitzetage – Oisín McKenna

Juni-Hitze in London, stehende Luft, überfüllte U-Bahnen und das Gefühl, an der nächsten Straßenecke dem einen großen Abenteuer zu begegnen, das das ganze Leben verändern wird. Genau das treibt die Protagonist*innen von „Hitzetage“ in den pulsierenden Kern der Großstadt. Dabei fühlen sie sich allesamt von London auf wundersame Weise gleichermaßen angezogen wie abgestoßen, empfinden die Anonymität und Unentschlossenheit berauschend, aber auch vernichtend. In einer Stadt, die alles möglich macht und gleichzeitig so viel offen lässt, scheinen sie im Rausch des Fear of Missing Out ihre eigene Individualität zu verlieren. Doch die unterdrückten Bedürfnisse, Wünsche und Gefühle lassen nicht lange auf sich warten und brechen schließlich die Oberfläche.

Der ursprünglich englischsprachige Roman von Oisín McKenna lässt nicht mehr los. Einerseits wegen der unglaublich immersiven Beschreibung der Londoner Hitze, deren quälende Schwüle man selbst zu spüren glaubt, andererseits wegen der facettenreichen und vor allem tiefgreifenden Figurenzeichnung, durch die man das Buch gar nicht mehr weglegen möchte. Trotz der unterschiedlichen Lebenslagen der Protagonist*innen zeigt McKenna, wie filigran und gleichsam bedeutsam zwischenmenschliche Beziehungen bei der Suche nach sich selbst und den großen Antworten im Leben sind.

Christina Moormann