Noch am Nachmittag stand die Frage im Raum: Kommt sie diesmal wirklich? Nachdem Anastacia ihr Konzert beim ZMF im Vorjahr eine Stunde vor Beginn krankheitsbedingt hatte absagen müssen, war die Spannung groß. Doch dieses Mal hielt sie Wort – und entschuldigte sich gleich zu Beginn des Abends für die damalige Enttäuschung: „Last time, I wasn’t able to sing like this“.
Zuvor eröffnete die US-amerikanische Singer-Songwriterin Casey McQuillen den Abend. Die in London lebende Künstlerin, die mit dem Song Beautiful bereits US-Radioerfolg feiern konnte, präsentierte Songs über Selbstakzeptanz, Einsamkeit und Trennung. Ihr quirliger Auftritt wirkte sympathisch und persönlich, auch wenn die Melodien nicht ganz im Ohr blieben. Die Freude, Anastacias Voract zu sein, war ihr anzusehen – ebenso ihr Wunsch, in Europa Fuß zu fassen.
Als um 21 Uhr das Licht gedimmt wurde, schlug der Bass spürbar durch das Zelt. Dann trat Anastacia auf. Mit über 30 Millionen verkauften Tonträgern ist sie eine der erfolgreichsten Pop-Soul-Stimmen der frühen 2000er. In ihrer Heimat USA war sie mit I’m Outta Love im Jahr 2000 nur auf Platz 92 der Billboard-Charts, doch in Europa wurde sie zum Star.
Und so war das Zirkuszelt bis auf den letzten Stehplatz gefüllt. Anastacia trat im 2000er-Jahre-inspirierten Look auf: mit Schlagjeans, Top, Jeansjacke und ihrer charakteristischen, getönten Brille. Später wechselte sie zu Glitzerjacke und Lederoptik. Ihr Stil: extravagant, ohne aufgesetzt zu wirken.
„I’m Anastacia – and no, I’m not Britney Spears“, sagte sie lachend ins Mikrofon – eine augenzwinkernde Bemerkung auf das einheitliche Popstar-Styling vergangener Jahre. Live singend, zeigte sie eine beeindruckende Performance. Diese Frau kann singen – und zwar richtig: kraftvoll, rau, durchdringend; ein Sound mit Wiedererkennungswert.
Anastacia hat im Lauf ihrer Karriere viele Höhen und Tiefen erlebt. Neben ihrem weltweiten Erfolg erlitt sie schwere gesundheitliche Rückschläge, darunter zwei Brustkrebserkrankungen. Dass sie heute wieder so auf der Bühne steht, mit dieser Energie und Präsenz, zeugt von beeindruckender Stärke und ungebrochenem Lebenswillen.
Das Set bestand aus ihren größten Hits wie I’m Outta Love, Left Outside Alone und Paid My Dues. Das Publikum war textsicher und vor allem jüngere Besucher*innen sangen begeistert mit. Das berührte Anastacia: “I’m glad, that I also have such young fans, who weren’t even born 25 years ago.”
Besonders emotional: ein englischsprachiges Cover von Tage wie diese der Toten Hosen. Eine Hommage an ihr deutsches Publikum – hier hat sie seit jeher eine große Fangemeinde. Auch deshalb ist Anastacia regelmäßiger und gern gesehener Gast beim ZMF Freiburg. Besonders in der Schwarzwald-Region fühlt sie sich wohl: „Everyone is so nice here“, und weiter „The black forest looks like a fairytale, like Narnia“.
Auch die Band trat solistisch hervor und zeigte ihr musikalisches Können. Besonders eindrucksvoll: die Rap-Performance ihrer langjährigen Backgroundsängerin. Nach rund 90 Minuten voller Soul, Power und Glitzer verließen die Konzertbesucher*innen das Zelt erschöpft und heiser – aber glücklich.



