Kidjo prägt seit den 1980er-Jahren die Weltmusikszene. Auf dem afrikanischen Kontinent gilt sie als Symbol weiblicher Selbstbestimmung, international gelang ihr 1991 mit mit dem Album Logozo der Durchbruch. Das Time Magazine wählte sie 2021 zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten; The Guardian nahm sie in die Liste der 100 inspirierendsten Frauen auf. Auf den großen Bühnen der Musikszene ist sie regelmäßiger Gast – von der New Yorker Carnegie Hall über das Sydney Opera House bis hin zum Kapstadt International Jazz Festival. Umso bemerkenswerter, dass eine Künstlerin ihres Formats auch in Freiburg Station macht.

Singend betrat Kidjo die Bühne – im farbenfrohen Kleid, mit kunstvoll gewickeltem Tuch im Haar. Ihre Stimme füllte sofort das Zelt: warm, kraftvoll und voller Energie. Jede Nuance wirkte kontrolliert, aber nie glatt – ein Klang mit Charakter. Kidjo sang in Fon, Yoruba, Französisch und Englisch. Auch wenn man nicht jedes Wort verstand, war die Botschaft spürbar – ihre Stimme trug Emotionen weit über Sprachgrenzen hinaus.

Das Zirkuszelt war gut gefüllt, auch wenn einige Plätze frei blieben – der Stimmung tat das keinen Abbruch: Besonders bei Mama Africa hielt es niemanden mehr auf den Stühlen und das ganze Zelt bewegte sich im Rhythmus. Überhaupt waren Kidjos Songs so mitreißend, dass man – ob in fröhlichen oder nachdenklichen Momenten – unweigerlich im Takt mittanzte. Einen stilleren Kontrapunkt setzte der Song Naima, den Kidjo ihrer verstorbenen Mutter widmete. „When we lose our mother, the ground shakes“, sagte sie, bevor sie das Stück als „Celebration of the Spirit of Joy“ anstimmte.

Zwischen den Songs zeigte sich Kidjo als Botschafterin: „Talent has no gender, nationality, knowledge or color.“ Sie warnte vor digitaler Abhängigkeit – „We are slaves to our phones […] but we need more conversation“ – und betonte den Wert von Geduld: „Everything has to happen right away. But growing is necessary.“ Damit präsentierte sie sich nicht nur als Musikerin, sondern auch als aufmerksame Beobachterin gesellschaftlicher Entwicklungen – eine Rolle, die zu ihrem langjährigen Engagement für Frauenrechte, Bildung und kulturelle Vielfalt passt.

Zum Abschluss sang sie ein Cover von Miriam Makebas Pata Pata, dass das Zirkuszelt endgültig in eine Tanzfläche verwandelte. Nach zwei Zugaben verabschiedete sich Kidjo von ihrem Publikum, das gleichermaßen bewegt wie euphorisiert war.