Es ist 18 Uhr. Auf die Minute genau werden die Türen des Café Senkrechts geöffnet, das jeden Montag Abend zum Sprachencafé wird. Direkt am Eingang erhält man ein Kärtchen, mit dem man ein kostenloses Freigetränk – Tee oder Kaffee – an der Theke des Eingangs bestellen kann. Auf den Stehtischen sind verschiedene Länderflaggen zu sehen, auf jedem Tisch eine andere. Das sind die sogenannten Sprachinseln, an denen man sich in der jeweiligen Sprache austauschen kann.
Neben den Sprachinseln befinden sich auf einem der Tische zahlreiche Namensschilder, auf die man zusätzlich zum Namen die Sprache schreiben kann, die man spricht oder üben möchte. So können sie den Besucher*innen als Unterstützung dienen, um eine*n passende*n Sprachpartner*in zu finden.

Schnell füllt sich das Café, vor der Theke bildet sich eine Schlange und aus jeder Ecke erklingt eine andere Sprache. So wird, immer montags zwischen 18 und 20 Uhr, das Café Senkrecht zum Café Multilingua.
Alle sind eingeladen
„Das Café Multilingua ist ein interaktives Sprachencafé, in welchem Studierende aus aller Welt eingeladen sind, unkompliziert miteinander in den sprachlichen Austausch zu treten“, sagt Andreas Vögele, Leiter des Sachgebiets Internationales und Kultur des Studierendenwerks Freiburg-Schwarzwalds (SWFR) und stellvertretender Abteilungsleiter der Abteilung Studentisches Leben. Das Sprachangebot richtet sich an alle Studierenden der vom Studierendenwerk betreuten Hochschulen. Das Café ist Teil des Internationalen Clubs des SWFR, welches auch die kostenlosen Heißgetränke finanziert.
Vor acht Jahren entwickelte Andreas Vögele als Dozent des Seminars “Interkulturelles Management am Beispiel interkultureller, internationaler Eventplanung” am Zentrum für Schlüsselqualifikationen (ZfS) der Universität Freiburg, zusammen mit drei Studierenden die Idee des Cafés Multilingua.
Das Café lebt von Bewegung und Mobilität
„Studierende können hier Sprachen üben, Freundschaften schließen oder Sprachtandempartner*innen finden“, sagt Julia Vogt. Sie leitet den Internationalen Club im Sachgebiet Internationales beim Studierendenwerk.
Die Wahl des Ortes hänge vor allem mit dem Konzept des Cafés zusammen, erklärt Andreas Vögele. Dieses lebe von Bewegung und Mobilität. Das Café Senkrecht mit Stehtischen sei also perfekt. „Durch die Stehtische besteht eine gewisse Dynamik, die Leute sind flexibel und gehen mal hier hin, mal dorthin“, sagt Julia Vogt.
Die Stehtische werden so zu Sprachinseln, die man nach Belieben verlassen oder betreten kann. Auch der Wochentag und die Uhrzeit seien nicht willkürlich ausgewählt worden, sagt Andreas Vögele. Montags haben Studierende meist noch nicht so viele Verbindlichkeiten. Das Zeitfenster zwischen 18 Uhr und 20 Uhr solle gewährleisten, dass in einem möglichst kurzen Zeitraum möglichst viele Studierende zusammentreffen und sich so die Sprachinseln bilden können. Nach dem Ende der Veranstaltung um 20 Uhr sei so noch Zeit für andere Freizeitaktivitäten, wie zum Beispiel ins Kino zu gehen, Sport zu machen oder sich mit „frischem Kopf“ erneut dem Studium zu widmen.
Welche Sprachen im Café Multilingua vertreten sind, hänge ganz von den Besucher*innen ab. „Je nachdem welche Sprachen gesucht, gefunden, gesprochen werden, entsteht eine Insel oder auch nicht“, erklärt Andreas Vögele.
Viel los im Café Multilingua
Und das Konzept geht auf: Das Café Multilingua sei jedes Mal gut besucht. Man habe zwischenzeitlich mit dem Gedanken gespielt, an einen anderen Ort zu wechseln, um mehr Platz zu haben, sagt Andreas Vögele. Aber Kapazitätsprobleme gebe es meist nur im Wintersemester. Im Sommer bestehe die Möglichkeit, sich auch im Umkreis des Café Senkrecht zu bewegen.
Im Schnitt besuchen im Wintersemester um die 150, im Sommersemester um die 130 Studierende das Sprachangebot.
Einer der Besucher*innen ist Hari. Er kommt aus Südindien und studiert nachhaltige Materialwissenschaften im Master. Das Café Multilingua besucht er seit zwei Monaten. Ihm gefällt es vor allem, Sprachen zu lernen und die Grammatik zu üben. Das sei besser als mit dem Buch zu lernen.
„Ich möchte mehr internationale Freunde finden und mein Deutsch verbessern“, sagt Yeonjung aus Südkorea. Sie studiert Philosophie im Master. Heute ist sie zum ersten Mal da. Dani aus Tschechien hingegen besucht das Café schon länger regelmäßig, ebenfalls vor allem, um Deutsch zu üben.
Jan kommt aus Frankreich und studiert Informatik im Bachelor: „Ich mag das Café Multilingua, weil man hier so einfach Leute kennenlernen kann und jeder hierherkommt, um andere kennenzulernen. Am meisten gefällt es mir, wenn mir jemand etwas aus seinem Heimatland, wie zum Beispiel spezifische Wörter, beibringt.“



