Ein Traum vom Herbst

Ich laufe langsam durch die Straßen. Das Laub raschelt bei jedem Schritt. Ein warmer Sonnenstrahl kitzelt meine Nase und ich bleibe stehen, um einmal tief Luft zu holen. Etwas entfernt höre ich das gleichmäßige Geräusch eines Rechens. Ich stelle mir vor, wie ein Laubhaufen immer höher und höher wächst. Ob der Igel in unserem Garten sich schon ein Quartier für den Winter gesucht hat? Ein Stückchen weiter sammeln zwei Kinder Esskastanien. Sofort habe ich den nussigen Geruch in der Nase, wenn die warmen Kastanien aus dem Ofen kommen. Dazu eine Tasse Kräutertee, eine kuschelige Decke, Kerzen und ein gutes Buch. Der Herbst kann kommen.

Luzia Hötger

 

Ich brauche meinen Stoff!

Knarzend schwingt die Tür meines alten Kleiderschranks auf. Ein Duft von Lavendel weht mir schwach entgegen, als sei der Sommer schon ganz fern. Vom Hutboden spähen Kisten nostalgisch auf mich herab, während ich nach dem beigen Mantel greife. Mit dem Zeigefinger fahre ich über den weichen Filz, den schrägen Linien des Revers folgend. Als meine Hand über die feinen Rillen der Cordjacke gleitet, rauscht es herrlich, als würde es aus grauen Wolken in langen Fäden regnen.

Im Seitenfach blinzeln mir Troyer, Pullunder und Cardigan aus verschlafenen Augen zu und in einer Ecke häufen sich bunte Sweater wie Herbstlaub. Ein einsames Plaid reckt seine Fransen nach jemandem zum Kuscheln und in der Tür hängt der Wollschal aus Schottland, in dessen Tartan aus Gelb, Orange, Rot und Braun sich Melancholie und Sehnsucht kreuzen.

Allein die spätsommerliche Wärme drückt mir ein T-Shirt in die Hand und zerstiebt meine nebligen Träume vom Herbst.

Jorgos Borchert 

 

Darauf freue ich mich! 

Gerade im Herbst macht das Schlendern auf dem Markt besonders viel Spaß. Im September bekommt man noch die letzten Himbeeren und Erdbeeren, sowie leckere fruchtige Tomaten, aber es gibt auch schon das schöne Herbstgemüse. Meistens findet man saisonale und regionale Gemüsesorten, die es teilweise im Supermarkt nicht zu kaufen gibt. Oft gibt es Mangold für eine herbstliche Mangold-Quiche, Kürbis für eine leckere Kürbissuppe oder Zwetschgen für ein Crumble. Auch mit Freunden oder als eine WG-Aktivität lässt es sich bei kühlerem Wetter gut über den Markt schlendern, das gemeinsame Kochen macht danach noch viel mehr Spaß.

Romina Toniatti 

 

Nicht mehr vor die Türe 

Wenn der Sommer sich dem Ende neigt und die Sonne immer weniger zu sehen ist, gewinnt ihr wärmender Blick an Wertschätzung. Wenn die Sonne den dichten Nebel nicht mehr durchdringen kann und graue Wolken ihr Licht absorbieren, beginnt die kalte Zeit. Wenn die Natur und das Leben draußen die trägerwerdenden Gemüter nicht mehr vor die Tür locken können, wird das Drinnenleben wieder schätzenswert. Im warmen gemütlichen Heim eine Tasse Tee oder heiße Schokolade, ein Buch in der Hand, ummantelt von einem gemütlichen Pulli und kein Bedürfnis mehr, diesen wohligen Ort zu verlassen, um das gute Wetter auszunutzen. Keine stickigen und zu warmen Räume mehr, nur noch ein Ort des Wohlseins. Und wenn die Sonne dann doch hin und wieder dazu einlädt, vor die Tür zu gehen, kann man sie wieder wertschätzen und genießen.

Antonia Dächert