Die FlixBus-Tickets sind gebucht, die Bahnplätze reserviert, alle Geschenke behutsam im Koffer verstaut. Das letzte Adventwochenende steht vor der Tür und viele Freiburger Studierende verlassen ihr Studiendomizil, um für die Festtage zu Hause bei der Familie zu sein.

Aber nicht jeder kann die Weihnachtszeit im Kreise seiner Liebsten verbringen. Julia hat mit den Verantwortlichen dreier Einrichtungen gesprochen, die Menschen in verschiedenen Lebenslagen helfen, trotz allem eine schöne Weihnachtszeit zu haben und sich dafür einsetzen, dass niemand am „Fest der Liebe“ alleine sein muss.

Das Kinderhaus St. Raphael

Im Kinderhaus St. Raphael wohnen insgesamt 24 Kinder und Jugendliche bis 21 Jahren, die aus verschiedenen Gründen nicht zu Hause wohnen können. Ruth Engler ist die Leiterin der Einrichtung und weiß: „Weihnachten ist hier für viele eine sensible Zeit. Es gilt schließlich als Fest der Liebe und der Familie, aber es gibt eben auch einige Fälle, in denen das nicht so ist. In manchen Familien wird viel gestritten, in anderen sind die finanziellen Ressourcen eher knapp.

In der Adventszeit achtet das Kinderhaus deshalb darauf, dass es nicht zu viel wird: „Es laufen nicht durchgehend Weihnachtslieder, und das Haus ist nicht voller Dekoration“, sagt Engler, „wer will, kann sich dem Weihnachtstrubel auch etwas entziehen.“ Ein paar weihnachtliche Rituale gebe es trotzdem, wie etwa Plätzchen backen oder Adventskalendertürchen öffnen.

Für viele sind die Weihnachtstraditionen auch etwas ganz Neues, weil Weihnachten in der eigenen Familie entweder gar nicht oder nur in kleinem Ausmaß gefeiert wurde. „Da ist es natürlich auch schön, die ein oder andere Weihnachts-Tradition kennenzulernen.“

Am letzten Schultag vor den Weihnachtsferien gebe es eine große Weihnachtsfeier und Bescherung. Auch zum Kinderhaus muss der Weihnachtsmann unter der Päckchen- und Geschenke-Last sehr schwer tragen. Ein Grund dafür ist die Spendenaktion eines Hotels: „Das Hotel organisiert jedes Jahr eine Weihnachtswunsch-Aktion für das Kinderhaus. Anfang Dezember stellt das Hotel die Wunschzettel aus. Die Gäste, Schwarzwaldbesucher und Bewohner aus Kirchzarten können den Kindern einen Weihnachtswunsch erfüllen, der bei uns an der Weihnachtsfeier unter dem Tannenbaum landet“, sagt Ruth Engler.

Ob die Kinder und Jugendlichen über die Feiertage nach Hause fahren, hänge sehr von der einzelnen Situation ab. Viele können ein paar Tage bei der Familie verbringen. Für die anderen habe sich die Leitung des Kinderhauses eine schöne Alternative ausgedacht. In kleiner Gruppe verbringen sie die Festtage in einer Ferienwohnung im Schwarzwald, essen Raclette und machen Ausflüge bis die Weihnachtszeit sich wieder dem Ende neigt.

Die Bahnhofsmission

Die Bahnhofsmission ist eine historisch gewachsene Anlaufstelle für Menschen in Notlagen. Hier können sich Reisende oder andere Menschen vorübergehend aufhalten, um sich aufzuwärmen, eine Kleinigkeit zu essen oder verschiedene Beratungsangebote in Anspruch zu nehmen. Robert Klebes ist der Leiter der Bahnhofsmission in Freiburg. Als wir uns für das Interview treffen, ist er gerade mit dem Aufbau der Krippe in der Bahnhofshalle beschäftigt.

„Während der Adventszeit ist immer viel los“, sagt er, „gerade werden wir mit Spenden überrannt. Unser ganzes Büro ist zugestellt mit Schlafsäcken, Isomatten, Rucksäcken und warmen Handschuhen.“ Grund für die Menge an Campingausrüstung, die die Freiburger Bahnhofmission in der Vorweihnachtszeit erreicht, ist die Aktion „Wärme für Freiburg“.

In Kooperation mit einem Outdoor-Anbieter aus Freiburg können Spenderinnen und Spender über den Online-Shop hochwertige Outdoor-Produkte bestellen, die darauf ausgelegt sind, bei Übernachtungen im Freien effektiv vor der nächtlichen Kälte zu schützen. Die Bestellungen werden als Spenden an die Bahnhofsmission geliefert, wo sie dann an Bedürftige verteilt werden.

„In der Bahnhofmission gibt es in der Weihnachtszeit noch eine weitere ganz besondere Tradition“, sagt Robert Klebes. „Jeden Dezemberabend wird eine Stunde vor der Schließung eine kleine Adventslesung veranstaltet.“ Gelesen werde mitunter nicht nur vom Personal der Bahnhofsmission, sondern auch immer wieder von Persönlichkeiten des öffentlichen Leben: „Einmal hatten wir Besuch von dem ehemaligen SC Freiburg-Spieler, Nils Petersen. Ein anderes Mal kam der erste Bürgermeister. Das ist immer schön für alle Beteiligten.

Über die Weihnachtstage hat die Bahnhofsmission, anders als viele andere klassische Hilfsangebote und Anlaufstellen, geöffnet. Über die Feiertage werde das Angebot besonders angenommen. Zwischen 120 und 150 Personen kommen während der vierstündigen Öffnungszeit in die Bahnhofsmission: „Manche sind schon ganz früh am Morgen da, um gemeinsam Zeitung zu lesen oder zu frühstücken“, sagt Klebes.

Die Gründe, warum Menschen in die Bahnhofsmission kommen, seien sehr vielfältig, Einsamkeit sei ein Thema, das viele vereint. „Gerade über die Weihnachtstage wollen wir in der Bahnhofsmission für diese Menschen einen Raum der Begegnung und des Austausches schaffen.“

Weihnachtsfeier im Studentendorf

Das Studierendenwerk in Freiburg betreut und fördert Studierende in Freiburg. Während der Semesterzeiten organisiert es verschiedene Aktivitäten in und um die Schwarzwaldregion. Und auch für den Heiligabend ist dieses Jahr wieder eine Weihnachtsfeier für Studierende geplant, die über die Feiertage nicht nach Hause fahren können oder möchten. Mentor Jonas ist an der Organisation der Weihnachtsfeier beteiligt und wird am Heiligabend auch selbst dabei sein.

„Mein Team und ich organisieren die SWFR-Weihnachtsfeier zum ersten Mal“, sagt er. Allerdings sei es nicht leicht Mitarbeitende zu finden, weil viele über die Ferien nach Hause fahren. Die Feier sei deshalb umso wichtiger, damit niemand den Weihnachtsabend unfreiwillig alleine verbringen müsse.

Gefeiert wird, wie auch in den letzten Jahren, wieder in der StuSie-Lounge im Seepark, in der Sundgauallee 36. Anmelden konnte man sich bis zum 1. Dezember. Aber auch wer an dem Abend spontan vorbeikommen möchte, ist herzlich willkommen. Nur den Studierendenausweis dürfe man nicht vergessen. Das Fest sei schließlich nur für Studierende gedacht.

„Letztes Jahr waren knapp hundert Leute auf der Feier“, sagt Jonas. Wenn alle da sind, gibt es ein englisches Pub-Quiz:  Wie wird hier Weihnachten gefeiert? Welche Traditionen gibt es hier oder in anderen Teilen der Welt?  Das Quiz ist Teil eines bunten Rahmenprogramms, das Jonas gemeinsam mit den anderen Tutoren gestaltet. Viel sei noch in der Planung, aber Dekoration und einen Weihnachtsbaum werde es auf alle Fälle geben.

Jonas freut sich schon sehr auf den Tag: „Ich bin wirklich aufgeregt und neugierig und natürlich hoffe ich auch, dass wir alle eine ganz wundervolle Zeit miteinander haben werden.“