So unterschiedlich wächst Gemeinschaft
Der VauGarten im Freiburger Studierendendorf Vauban ist ein Beispiel für studentisches Gärtnern im Kollektiv. Dort können Studierende ausprobieren, wie gemeinsames Säen, Pflanzen und Ernten funktioniert. Organisiert wird der Garten über verantwortliche Tutor*innen und eine WhatsApp-Gruppe. „Im Frühjahr haben wir über einen Freund, der in einer Demeter-Gärtnerei arbeitet, viele Setzlinge bekommen und gemeinsam eingepflanzt“, erzählt Michael Wernthaler, einer der Studierenden.
Im Vauban befindet sich noch ein Gemeinschaftsgarten: Im Verein „zusammen leben“ soll Interkulturalität nicht nur diskutiert, sondern aktiv gelebt werden. Seit 2016 ist es ein Ort der Begegnung, Teilhabe und Vielfalt. Auf 3.500 Quadratmetern treffen Menschen verschiedenster Kulturen, Fähigkeiten und Lebenswege aufeinander. Der Gemeinschaftsgarten „zusammen Gärtnern“ ist eines der Projekte des Vereins.
Was diesen Garten in Freiburg so besonders macht und welche Geschichten sich zwischen den Beeten entfalten, erzählen Inklusionsfachkraft Lotti Pfaff und Projektkoordinatorin Carolin Hajduk im Interview.
Mancher Garten entsteht gezielt als Integrationsort, ein anderer wächst einfach in seine Rolle als sozialer Raum hinein. Der Klimagarten im Dietenbachpark zeigt, wie niederschwellige Begegnung im Alltag funktioniert – ohne Zäune, dafür mit viel Initiative.
uniCROSS hat den Klimagarten in Freiburg besucht. Im Video erzählen Mitwirkende des Projekts von Beetpatenschaften, gemeinsamen Aktionstagen und Glücksmomenten.
Viele dieser Gärten sind selbstorganisiert, aber auf Unterstützung angewiesen. Laut Monika Borodko-Schmidt von der Initiative „Freiburg packt an“ werden die Angebote gut angenommen. Allerdings fehle es oft an Menschen, die dauerhaft Verantwortung übernehmen.
Was sagt das Rathaus?

Aktuell gibt es in Freiburg zwölf urbane Gartenprojekte, die aktiv durch die Stadtverwaltung unterstützt werden. Hierfür gibt es das Programm „Freiburg packt an“. Neben Beratung und Koordination vermittelt das Programm städtische Flächen und steht in engem Kontakt mit Initiativen und Einzelpersonen. Die Stadtverwaltung erkennt auch den großen sozialen Wert von Gemeinschaftsgärten: „Es geht nicht darum, dass da ein paar Gurken entstehen, wenn sie niemand klaut. Es geht darum, dass Menschen sich auf öffentlichen Flächen treffen – dass sie sich da engagieren“, sagt Monika Borodko-Schmidt, Beauftragte für bürgerschaftliches Engagement bei „Freiburg packt an“.
Gemeinschaftsgärten können Brücken bauen. Wenn Menschen mit verschiedenen kulturellen Wurzeln aufeinandertreffen, entstehen oft kleine Geschichten, die verbinden. „Im Weingarten gibt es eine Pflanze, die wir noch nie gesehen haben. Da bringt eine Anwohnerin Samen aus der Heimat mit. Und plötzlich entdecken unsere deutschen Gärtnerinnen und Gärtner Sesam. Man lernt voneinander, und so können sich die Menschen einbringen“, erzählt Borodko-Schmidt.
So kann Integration im Kleinen funktionieren. Die Sozialarbeiterin sieht eine emotionale Bindung zwischen den Verantwortlichen und den Gärten: „Es freut mich, dass Menschen aus unterschiedlichen Nationen in den Gärten so ihre Heimat finden.“
Trotz wachsender Nachfrage sind Gemeinschaftsgärten nicht für jede*n geeignet. Borodko-Schmidt ist sich sicher: „Manche können das einfach nicht, die wollen einen eigenen Garten.“ Denn gemeinsames Gärtnern bedeutet, Flächen und Aufgaben demokratisch zu organisieren, und das kann zu Konflikten führen. Dazu kommen praktische Probleme wie Fremdnutzung, Diebstahl oder Vandalismus, berichtet sie: „Es gab auch Fälle, in denen Sachen wirklich mutwillig zerstört wurden. Aber da können wir leider nicht viel machen. Vandalismus auf öffentlichen Flächen ist Alltag.“
Gärten der Zukunft
In Dietenbach, Freiburgs größtem Neubaugebiet, sollen in den kommenden Jahren Wohnungen für bis zu 16.000 Menschen entstehen. Zwar werden im Bauplan grüne Freiräume und Urban-Gardening-Flächen erwähnt, doch konkrete Gemeinschaftsgärten sind bislang nicht vorgesehen. Sollte der Wunsch nach solchen Orten entstehen, könne dies laut Stadtverwaltung im Rahmen des Programms „Freiburg packt an“ nachträglich verhandelt werden.
Anders im Quartier Kleineschholz: Entlang der Tramlinie 1 ist dort neben neuem Wohnraum auch ein Grünstreifen vorgesehen, der sowohl als Lebensraum für Mauereidechsen als auch als soziale Begegnungsfläche genutzt werden soll. Die Grünflächen dienen als Ersatzlebensraum für Mauereidechsen, die durch das Bauprojekt ihre bisherigen Flächen verlieren. Trockenmauern, Sandbereiche und bepflanzte Sonnenplätze sollen den streng geschützten Tieren künftig Nahrung sowie Eiablage- und Rückzugsorte bieten. Zwischen diesen Strukturen ist Platz für gemeinschaftliches Gärtnern. Laut Borodko-Schmidt von „Freiburg packt an“ sind damit die Grundmauern für zukünftige Gemeinschaftsgärten bereits gelegt: „Das ist wirklich ein schönes Beispiel, wie man ein Neubauquartier plant – plus Gemeinschaftsgärten.“
Eine Gemeinschaftsproduktion von Annika Schmotz, Chiara Kraft, Marie Möbius, Mariella Misquial, Eva Wendelin und Zoe Heiser im Rahmen des Seminars „Einführung in den crossmedialen Journalismus“ für Studierende der Medienkulturwissenschaft. Seminarleitung, Redaktion: Ada Rhode, Andreas Nagel, Philip Thomas, Ragna Johansson, Alexander Schröder, Max Keefer.







