Der Auftakt für das Album liefert der Track „Cosplay“ mit verzerrter, vorwärtsdrängender Gitarre, welche den Charakter der Platte keinesfalls unter einem Kostüm versteckt. Die Lyrics schlagen, passend zum Grunge Sound, eine emotional düstere Richtung ein.

In „Joybite“ geht es energievoll weiter. Zeilen wie „sink your teeth into them“, „bloody wine“ und „haunted softly“ tragen zu einer vampirischen Atmosphäre bei, die auch im Musikvideo durch Bilder von Totenköpfen, Friedhofsstatuen und Vampirzähnen unterstützt werden. Auch der Albumtitel „Ghostwood“ klingt mystisch und naturverbunden und teasert damit diese düstere Seite des Albums an.

Hi Mum – Joybite

Diese Atmosphäre steht besonders im Song „Joybite“ im Kontrast zur verspielten, aufgedrehten Melodie und den wenigen, kurzen Textpassagen, die für Leichtigkeit sorgen.

Wer Frühlingsvibes sucht, wird im Song „Starstruck“ fündig. Die Gitarren geben klassischen Indie-Rock Energie, während der Refrain durch „Hey hey“ rufe, dem Song die nötige Leichtigkeit verleiht.

„Hey hey, I’m allowed to see you shine, Starstruck lately.“

“Heydaze” schließt sich dieser frühlingshaften Leichtigkeit an und vermischt sie gleichzeitig mit Nostalgie.

Inhaltich vermittelt die Platte ein Coming-of-Age Gefühl, indem es um Orientierung, Beziehungen und das Zurechtfinden geht. Das passt natürlich zur Band, die sich neu aus der Vorgängerband MAFFAI zusammengefunden hat und erst gemeinsam ihren Sound entdecken muss. Die Platte klingt insgesamt dicht und warm, ohne dabei eine gewisse Rauheit zu verlieren. Trotz seiner Fülle wirken die Songs nie überladen und bleiben bodenständig und greifbar. Ein besonderer Moment liefert dabei der Acoustic-Track „Burn After Reading“, welcher durch seine Reduziertheit Raum zum Durchatmen gibt. Mit 1:30 der kürzeste Track des Albums, der die verletzliche Seite von HI MUM zeigt. Neben Acoustic-Gitarre und Gesang ist dort nur Vogelgezwitscher zu hören. Trotzdem bleibt dieser Song erstmal eine Ausnahme. Ohne E-Gitarre kommt der HI MUM Sound, sowie auch die letzten drei Songs des Albums, dann doch nicht aus.

Generell ist das Album voller Melodien, die ins Ohr gehen. Drums und Gitarre gehen dabei oft All-in, wobei die Stimme nicht im Vordergrund ist, sondern auf demselben Level mitspielt.

HI MUM schafft auf ihrem Debütalbum „Ghostwood“ eine Atmosphäre, die Nostalgie, Leichtigkeit und Vertrautheit mischt, auch wenn sie mit ihren Musikvideos scheinbar einen düstereren Weg einschlagen wollen. Der Sound der Band trägt rüttelnd zum Frühlingserwachen bei und passt perfekt zum Albumcover mit rosa-gestreiftem Outfit, Kaninchen und schwarzem Lederhalsband.