Ihr Spiegelbild hinter einer der großen Saloon ähnlichen Sitzecken des Spiegelzelts ist das erste, was ich von Cari Cari sehe. Das runde Zelt mit seinem Buntglas, den Reflexionen und dem leicht aus der Zeit gefallenen doppelseitigen Eingang passt zu ihrer facettenreichen musikalischen Welt, in der es so viel ums spielerische Experimentieren geht.
Noch während der Sound abgestimmt und die Technik verlegt wird, kommen mir Stephanie und Alexander mit zielsicheren Schritten entgegen. Zusammen sind sie Cari Cari, die zwei Pole des Indie-Rock-Duos aus Österreich: extrovertiert und introvertiert, einfach mal machen und perfektionistisch.
Während Alexander gleich ins Erzählen kommt, nippt Stephanie im Hintergrund an ihrem Kaffee. Während der Regen aufs Zelt trommelt, erzählen Cari Cari von den Erfolgen der letzten Jahre, vom neuen Album und vom, manchmal verkorksten, Musikbusiness.
Zum Universal Movie-Intro und blinkenden Lichtern betreten Cari Cari die Bühne
Gleich bei ihrem ersten Song packen sie alles aus, was sie an diesem Abend zu bieten haben: Schlagzeug und Gitarre, aber auch Didgeridoo, Synthesizer und Gong kommen bei One More Trip Around the Sun zum Einsatz und ihre Rhythmen erfüllen den Raum. Im Hintergrund der Bühne immer die metaphorische Sonne, um die heute Abend der Trip geht. Mal verändert sich die leuchtende Scheibe aus vielen kleinen Lämpchen zu einer Rakete, dann beim Song No War zu einem Peacezeichen.
Alexander erzählt dem Publikum, wie sie sich die letzten Jahre so „durchgewurschtelt“ hätten und von ihrem großen Ziel: Gegründet habe sich die Band einzig und allein, um irgendwann in einem Tarantino-Film als Soundtrack vorzukommen. Auf ihrer USA-Tour stellte sich Alexander vor, wie sie dem Regisseur eines Tages in einem Kino in LA zufällig über den Weg laufen und ihm dann lässig eine ihrer Platten zuschieben würden: „Quentin, da müss’ ma was machen“. Da das nicht ganz so aufgegangen ist, setzten sie nun darauf, dass auch Quentin Tarantino sich mal selbst googelt. „Und das ist der Moment, in dem du als Cari Cari da sein musst“ – mit ihrem Song: „Dear Mr. Tarantino“.
Stephanie und Alexander ergänzen sich das ganze Konzert hindurch perfekt: Er, der Entertainer, der durch die Menge spaziert, Anekdoten erzählt, mit Call and Response à la Queen das Publikum für sich einnimmt. Sie, die von einem Instrument zum nächsten wechselt, ihre Stimme auf verschiedenste Arten einsetzt und dabei immer wieder versonnen und leicht nachdenklich in die Ferne schaut, als wäre sie selbst überrascht von dem, was sie da gerade produziert haben.
Rauchige Psychedelia und Rock ergänzt durch atmosphärischen Blues lassen nicht nur aufgrund der Kulisse des Spiegelzelts an wilden Westen und Countryside denken. Treibende Beats ziehen sich durch das Konzert, versetzen das Publikum abwechselnd in Ekstase und Trance und lassen alles viel zu schnell vorbeigehen. Bei einem ihrer letzten Songs des Abends, Summer Sun, vibriert der Boden.
Dann ist es vorbei, Stephanie wirft ihre Sticks ins Publikum, Alexander sein Gitarren Plug. Abbas Dancing Queen setzt ein, nachdem Cari Cari von der Bühne verschwunden sind, alle tanzen weiter und niemand bemerkt, dass es draußen schon längst wieder angefangen hat zu regnen.



