Was bedeutet Female* Empowerment für dich?

Intersektionalität, Frauenfreundschaften oder strukturelle Veränderung

Die studentischen Autor*innen von uniCROSS haben bei ihrer Recherche vor allem eins mitgenommen: Female* Empowerment ist vielschichtig. Zum Abschluss des Intensivthemas haben sie aufgeschrieben, was der Begriff für sie bedeutet.

#mehrmiteinander

Ich möchte den Begriff für meinen Umgang mit anderen Frauen* definieren. Ich merke immer wieder, welche stark verankerten Vorstellungen ich davon habe, „wie eine Frau sein soll“. Es ist wichtig, die eigenen Denkweisen zu hinterfragen, denn weiblich sein oder Frau* sein ist sehr individuell.

Für mich kann ich sagen, dass bei Leistungen, die ich erbracht habe, nie zuerst mein Geschlecht im Vordergrund stand, sondern immer meine Persönlichkeit gesehen wurde.
Andererseits wird ein starker Charakter und ein starkes Selbstbewusstsein immer noch häufig mit „männlich“ assoziiert. Ich wünsche mir, dass Stärke zeigen und Frau* sein kein Widerspruch mehr sein muss. Ich möchte anderen Frauen* gegenüber offener begegnen, in erster Linie ihre Geschichte und Persönlichkeit sehen, statt ihres Geschlechtes.

#microfeminism

Seit einiger Zeit kursiert auf Social Media unter dem Hashtag #Mikrofeminismus der Trend, mit kleinen, alltäglichen Handlungen die Geschlechterungleichheiten sichtbar zu machen und sie zu bekämpfen. Ob Lehrerinnen, die bei einem kranken Kind bewusst zuerst den Vater anrufen, oder Frauen, die Kolleginnen wieder ins Gespräch einbeziehen, wenn diese unterbrochen wurden. Auch scheinbar banale Dinge zählen: einem Mann auf dem Gehweg nicht automatisch ausweichen, dem Freund Blumen schenken, oder beim Vorstellen von Personen die Qualifikationen anderer Frauen hervorheben. Mikrofeminismus ist still, aber wirksam. Das zeigen auch wissenschaftliche Studien. Gezielte Gesten im Alltag stärken soziale Gleichberechtigung und fördern Empowerment.

#girlshobbies

Manchmal erwische ich mich dabei, wie ich mich selbst unbewusst von weiblich assoziierten Hobbys und Interessen distanziere. Das passiert gar nicht bewusst und ist oft eine Art diffuses Gefühl, welche Interessen legitim sind und für welche Hobbys es keine Anerkennung gibt: Obwohl ich sie gerne lese, verstecke ich Fantasy-Bücher hinten im Regal. Ich häkle gerne, aber zähle das in meinem Kopf nicht als „richtiges“ Hobby. Mir ist es peinlich zuzugeben, dass ich am liebsten schnulzige Romcoms schaue. Und ich habe lange Zeit gedacht, konsequent ungeschminkt aus dem Haus zu gehen, ist der richtige Weg, Stärke zu zeigen.
Wenn ich darüber nachdenke, finde ich das traurig. Warum habe ich das Gefühl, mich von Dingen, die mir Freude bereiten, abgrenzen zu müssen? Weibliche Hobbys und Interessen werden schon so lange abgetan und als „unwichtig“ stigmatisiert. Ist es nicht an der Zeit, damit aufzuhören? Auch wenn das nur heißt, eine Stunde für ein kunstvolles Augen-Make-up aufzuwenden. Und diese Zeit zu genießen.

#drübersprechen

Hunderte Menschen – vorwiegend weiblich gelesene Personen – sitzen zusammen und basteln Freundschafts-Armbänder. Dabei handelt es sich nicht um DIY-Gruppen, sondern um Fans von Popsängerin Taylor Swift, die sich zusammen für die anstehende Eras-Tour vorbereiten, ihr Fan-Dasein ausleben und sich untereinander durch ihre gemeinsame Leidenschaft connecten.

Miteinander vernetzen, nebeneinanderstehen und füreinander da sein ist nicht nur in der Fankultur essentiell, sondern für mich ebenfalls ein wichtiger Bestandteil von Female* Empowerment. Sei es durch eine Diskussion im Seminar an der Uni oder ein Gespräch mit Freund*innen – miteinander über aktuelle gesellschaftliche Zustände und speziell eigene Alltagserfahrungen zu reden, hilft oft dabei, Situationen und Probleme zu erkennen, einzuordnen und möglicherweise etwas dagegen zu unternehmen. Außerdem ist es erleichternd zu wissen, dass man mit seinen Erfahrungen in der Regel nicht allein ist. Da reicht manchmal schon ein einfaches „Fühl ich“.