Liz Moores Thriller „Der Gott des Waldes“ spielt in den amerikanischen Adirondack Mountains. Im August 1975 verschwindet dort ein Kind aus dem Sommercamp. Es ist ausgerechnet Barbara Van Laar, die Tochter der reichen Van Laars, denen das Camp und die umliegenden Wälder gehören. Eine groß angelegte Suche nach Barbara beginnt und alle Beteiligten werden von der Polizei befragt. Was wissen die Kinder und Angestellten und hat der aus dem Gefängnis ausgebrochene „Schlitzer“ etwas mit dem Verschwinden zu tun? Das Tuscheln der Bewohner nimmt zu, denn Barbara ist nicht das erste Kind der Van Laars, das verschwindet. Vor genau 14 Jahren ist bereits ihr Bruder Bear verschwunden und wurde nie gefunden.
Liz Moors Bestseller erzählt aus mehreren Perspektiven und in zwei verschiedenen Zeitsträngen. Der erste Zeitstrahl thematisiert das Verschwinden von Bear. Im zweiten Zeitstrahl wird das Verschwinden von Barbara erzählt.
Der Thrillerteil des Buches rückt im Vergleich zur Gesellschaftskritik sehr in den Hintergrund. Zwar bleibt die Spannung um das Verschwinden von Bear und Barbara bis zum Ende erhalten, aber einen wichtigen Teil des Buches nimmt auch das Storytelling rund um den Sexismus und Klassismus der 70er-Jahre ein.
Hinter dem Thriller steckt ein kritischer Gesellschaftsroman, der den Sexismus, Klassismus, Wohlstandsverwahrlosung und Machtmissbrauch der 60er- und 70er- Jahre in den USA thematisiert. Deutlich wird das vor allem durch die vielen weiblichen Perspektiven in der Geschichte. So traut sich die erste weibliche Ermittlerin des Staates New York, Judyta, vor ihren männlichen Kollegen nicht, ihre Ideen und ihre Meinung zu sagen, weil sie die einzige Frau in der Runde ist.
Als die Kinder befragt werden sollen, kommen ihre männlichen Kollegen aber sofort auf sie zu, weil sie als Frau bestimmt gut mit Kindern kann. Der Klassismus wird an der Betreuerin Louise deutlich, die den Job im Camp braucht, um ihren Bruder zu versorgen, weil ihre alkoholkranke Mutter es finanziell nicht kann. Erzählt sie trotzdem, dass sie trotz Aufsichtspflicht abends weg war und nicht weiß, wann Barbara verschwunden ist? Oder wird ihr dann gekündigt, weil sie für die Van Laars ein Niemand ist?
Der Machtmissbrauch der 70er-Jahre wird vor allem an Alice deutlich. Sie heiratet mit 18 Jahren den 11 Jahre älteren Peter Van Laar, der sie immer wieder klein hält und ihr vermittelt, dass sie alles falsch macht.
Der Gott des Waldes ist ein literarischer Thriller mit interessanten und vielschichtigen Charakteren, der spannend zu lesen ist. Der Roman hinterlässt einen bleibenden Eindruck und lässt über Female Empowerment nachdenken. Deutlich wird, was Frauen seit den 70er-Jahren schon erreicht haben, welche Rechte sie erkämpft haben, auch im vermeintlichen Alltag, zum Beispiel indem sie wie Judyta Jobs wählten, die nicht der „Norm“ entsprachen.
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