Am 8. März findet der internationale Weltfrauentag statt – ein weltweiter Aktionstag. Er ist eine Gelegenheit, um auf die Erfolge von Frauen zu blicken, aber auch auf die weiterhin vorhandenen Probleme wie fehlende Frauenrechte, Diskriminierung, Nachteile, die Frauen gegenüber Männern haben, und um auf Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen. Er dient als Zeichen für Gerechtigkeit: Alle Menschen sollen die gleichen Rechte haben und gleichbehandelt werden, egal welches Geschlecht sie haben. Der Weltfrauentag soll vor allem die Möglichkeit bieten, sich zu engagieren und an Aktionsangeboten wie Demonstrationen, Kundgebungen und Veranstaltungen von Frauenverbänden und Gewerkschaften teilzunehmen.

In Russland, der Ukraine oder Vietnam ist der Weltfrauentag ein offizieller Feiertag, in China gelten an diesem Tag verkürzte Arbeitszeiten für Frauen. In vielen westlichen Ländern wie den USA oder Deutschland ist er ein Aktionstag. In Deutschland ist nur in Berlin seit 2019 und in Mecklenburg-Vorpommern seit 2023 der Frauentag ein Feiertag.

Seine Geschichte

Der Ursprung des Weltfrauentags liegt in der ersten Frauenbewegung. 1910 hatte Clara Zetkin, eine deutsche sozialistisch-kommunistische Politikerin, Friedensaktivistin und Frauenrechtlerin, die Idee, einen Tag festzulegen, an dem Frauen aus aller Welt zusammenkommen und ihre Forderungen nach internationaler Gleichberechtigung im Fokus stehen. Im März 1911 wurde dann das erste Mal in mehreren europäischen Ländern der Internationale Frauentag gefeiert. Damals standen vor allem das Frauenwahlrecht und bessere Arbeitsbedingungen im Vordergrund.

Das Jahr 1975 riefen die Vereinten Nationen zum „Internationalen Jahr der Frau“ aus und etablierten den 8. März offiziell als Internationalen Frauentag. In diesem Jahr fand in Mexico City auch die erste UN-Weltfrauenkonferenz statt, die eines von vier internationalen Gipfeltreffen der Vereinten Nationen zur Förderung der Gleichstellung und Rechten von Frauen war. Die letzte und einflussreichste Weltfrauenkonferenz fand 1995 in Peking statt und gilt durch ihre verabschiedete Aktionsplattform als wegweisend für globale Frauenpolitik, mit Schwerpunkten wie Gewalt gegen Frauen, Bildung und politische Teilhabe.

Schwerpunkte

Zu sehen ist eine lächelnde Person mit schwarzem Shirt und rotbrauner Hose. Im Hintergrund sind Häuser und eine Birke.
Wibke Backhaus ist Leiterin der Abteilung Gleichstellung, Diversität und akademische Personalentwicklung der Universität Freiburg.

„Der Weltfrauentag soll auf jeden Einfluss nehmen“, sagt Wibke Backhaus. Die Themen, die an diesem Tag in den Vordergrund gerückt werden, können dabei durchaus variieren, da Geschlechterungleichheiten viele Lebensbereiche betreffen. Die Themenvielfalt sei bis heute so breit wie die feministische Bewegung selbst.

Weiterhin gehören unter dem Oberthema Geschlechtergerechtigkeit Themen wie gleiche Partizipation in der Politik, Ungleichheiten im Bildungssystem, sexualisierte Gewalt, Geschlechterstereotype in Kultur und Medien, Lohnungleichheiten und Karrierehindernisse sowie internationale Solidarität und Austausch unter Frauen zu den Forderungen.

Nicht nur ein Tag für Frauen

Der Weltfrauentag sei kein Tag, der sich ausschließlich an Frauen richte und alle anderen Personen, wie etwa Männer, ausschließe, sondern ein Tag, der alle etwas angehe. „Beim Frauentag geht es um Geschlechtergerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit ist nicht gegen Männer, sondern ein Thema für alle und etwas, wovon alle profitieren“, sagt Wibke Backhaus. Eine gerechte Verteilung von Sorgearbeit oder ein Abbau von Gewalt biete Vorteile für alle. „Häufig wirkt es für Männer ungewohnt oder bedrohlich, sobald Frauen zusammenkommen. Wir erleben auch, dass das Sprechen über Geschlechterfragen automatisch als Frauenthema wahrgenommen wird. Ein Geschlecht haben aber alle“, sagt Wibke Backhaus.

Sie weist darauf hin, dass an vielen Veranstaltungen zum Weltfrauentag alle, die teilnehmen möchten, teilnehmen können. Trotzdem gebe es eine Berechtigung dafür, dass sich bestimmte Unterstützungen und Förderformate, nur an Frauen richte. Genauso wie es bestimmte Themen gebe, wie beispielsweise sexualisierte Gewalt, welche in reinen Frauen- oder FLINTA*-Räumen oft anders besprochen werden können.

Einflussmöglichkeiten

Der Weltfrauentag sei gerade durch seine Breite an Themen, auf die er aufmerksam mache, wertvoll. „Geschlechtergerechtigkeit ist kein Thema, das schon abgehakt ist, sondern ein hochaktuelles Thema, auf das weiter hingewiesen werden muss“, sagt Wibke Backhaus.

Gerade an Aktionstagen gebe es neben den Veranstaltungen auch ein hohes Medieninteresse, das dem Thema eine weltweite Relevanz verleihe und dadurch auch mehr Menschen erreiche. Auch für Frauen könne dieser Tag als Selbstvergewisserung eines Zusammenschlusses zwischen Frauen stehen, was für viele bestärkend wirken könne. „Solche Tage können natürlich nicht Geschlechterungerechtigkeiten abschaffen. Sie haben aber die Möglichkeit, auf Themen hinzuweisen und symbolisch zu wirken.“

Veranstaltungen von Uni und Stadt

Das Uniseum zeigt zum Weltfrauentag eine Ausstellung zur Geschichte des Frauenwahlrechts, zur Geschichte des Frauenstudiums und seinen Anfängen an der Universität Freiburg mit der ersten Studentin, Johanna Kappes, die 1900 ihr Studium begann. Bei einer Führung am 12. März um 18 Uhr erfahren Besucher*innen wie es zum Frauenstudium kam und welche Hürden überwunden werden mussten, damit Frauen heute den Zugang zu allen universitären Bereichen haben.

Die Stadt Freiburg hat ein Programm mit Veranstaltungen sowohl am 8. März 2026 als auch in der darauffolgenden Woche geplant. Den Auftakt bilden Veranstaltungen am Sonntag wie die große feministische Demonstration und die abschließende Kundgebung mit Infoständen und einem Konzert auf dem Platz der Alten Synagoge.

Schon vor dem 8. März 2026 können gibt es Veranstaltungsangebote unter anderem von der Stadt, wie auch vom Künstler*innenkollektiv M.A.R.S. – Maternal Artistic Research Studio, was ab dem 6. März 2026 bein Programm mit Performances, Workshops, Lesungen, Gesprächen, Filmformaten und Reading Groups sowie einem abschließenden Symposium am 12. März anbietet. 

Hinweis für Wahlhelfer*innen

Am 8. März 2026 ist nicht nur Weltfrauentag, in diesem Jahr finden in Baden-Württemberg an diesem Tag auch die Landtagswahlen statt. Nach Angabe des Landes Baden-Württemberg dürfen Wahlhelfer*innen grundsätzlich an Demonstrationen zum Weltfrauentag teilnehmen, jedoch gibt es Einschränkungen während der Ausübung ihrer Ehrenamtstätigkeiten: Während der Arbeit im Wahlvorstand müssen sich Wahlhelfer*innen neutral verhalten.

Sie dürfen keine politischen Symbole oder Anstecker tragen, die auf eine bestimmte politische Richtung oder aktuelle Demonstrationen hinweisen, um die Wähler*innen bei ihrer Wahl nicht zu beeinflussen. Außerhalb der Wahlräume und Arbeitszeiten, in denen sie als Wahlhelfer*innen tätig sind, können diese an Demonstrationen teilnehmen.