Ankunft in Muldenberg im Vogtlandkreis im Südwesten Sachsens nahe der tschechischen Grenze. Nach acht Stunden Autofahrt erreichten meine Mutter und ich die Pension, in der wir eine Woche Inlandsurlaub verbrachten. Ursprünglich wollten wir dieses Jahr mit meiner Tante nach Costa Rica, um Verwandte zu besuchen, aber wegen Corona blieben wir in Deutschland. Meine Tante, mein Onkel und ihr Hund Rocky waren mit ihrem Wohnmobil auf dem angrenzenden Campingplatz. Da die drei dort immer für einige Zeit bleiben und ihren Aufenthalt wegen Corona verlängert hatten, statt nach Spanien zu fahren, besuchten wir sie dort.

Es war zwar schade, nicht nach Costa Rica zu fliegen, aber da ich bereits als Kind öfters in Sachsen Urlaub machte, freute ich mich auf die Reise.

Mit circa 200 Einwohner*innen ist Muldenberg ein Ortsteil der Gemeinde Grünbach. Grünbach ist eines von vielen Dörfern im Vogtlandkreis, welche sich durch einen dichten Wald schlängeln, der an eine Märchenwelt erinnert.

In Freiburg bin ich es gewohnt, ständig eine Maske aufzusetzen, wenn ich in öffentliche Räume gehe, deshalb war ich in unserer Pension über den laschen Umgang mit Corona überrascht. Hier war, außer dem obligatorischen Maskenpflichtschild vor dem Frühstücksraum, von Masken und Abstand in der Pension nichts zu spüren. Weder die wenigen Gäste noch das Personal trugen im Raum eine Maske.

In Sachsen gab es am 2.9.2020 laut der offiziellen Statistik des Robert Koch-Instituts 6.022 Coronafälle, in Baden-Württemberg 42.367. Durch die niedrigeren Fallzahlen, verbunden mit weniger Bevölkerung auf dem Land, scheinen viele die Pandemie nicht so ernst zu nehmen.

Bergwerksführung

Das Besucherbergwerk Grube Tannenberg ist mit fünf Grad Celsius das kälteste Bergwerk Sachsens und eine angenehme Abkühlung an einem heißen Tag. Wegen der Corona-Situation rechneten wir nur mit einer Museumsführung, doch gab es unerwarteterweise eine einstündige Führung durch den Zinnstollen. Inklusive gestelltem Helm und Regenkittel, aber auch hier ohne die gewohnte Maske.

Eine Gruppe von circa 15 Personen lief ungeschützt vor Viren durch lange Gänge, was ich als leicht beunruhigend empfand. Wie aus Baden-Württemberg gewohnt, trugen wir die ganze Zeit unsere selbst mitgebrachten Mundschutze.

Einkaufen

Auch beim Einkaufen fiel auf, dass in den kleineren Läden der Umgebung und auf öffentlichen Plätzen viele Leute ohne Masken unterwegs waren. Nur ein kleines Dosenwurst-Spezialitätengeschäft ermahnte die Kund*innen, die keinen Mundschutz trugen, einen aufzusetzen.

Außerdem setzte eine große Supermarktkette auf eine strenge Maskenpflicht: Dort waren alle Kund*innen ordnungsgemäß mit Maske geschützt.

Badetag

Am weitesten entfernt von Corona fühlte ich mich am Badesee, welcher, trotz kleinerer Wiese, von der Uferbeschaffenheit und dem Wasser an den Tunisee in Freiburg erinnert. Es war heiß, die Leute schwammen und lagen nur Zentimeter voneinander entfernt. Auf weniger Platz waren so viele Leute, wie in Freiburg, wodurch kein Abstand eingehalten werden konnte. Dies empfand ich in der Corona-Zeit als zu nah.

Der Kiosk am See hatte eine Glasscheibe vor der Theke, sonst gab es keine Abstands- und Mundschutzregeln. Die Kioskbesitzerin sagte, dass Corona hier mental weit weg sei. Sie kenne auch niemanden, der mit dem Virus infiziert sei.

Durch die geringeren Fallzahlen und die Abgeschiedenheit auf dem Land wirkte Corona in diesem Urlaub auch auf uns wie ein sehr fernes Ereignis.

Raumfahrtausstellung

Der letzte große Ausflug führte in die Deutsche Raumfahrtausstellung in Morgenröthe-Rautenkranz, Geburtsort des ersten deutschen Raumfahrers Sigmund Jähn. Wegen der politischen Nähe zwischen der DDR und der UdSSR, war ein Großteil der Ausstellung dem Kosmonauten-Programm gewidmet. In den letzten Jahren kamen auch amerikanische und europäische Exponate dazu, wie der 1:1 Nachbau des ‚Lunar Roving Vehicle‘ welches 1971 mit der Apollo 15-Mission Kamerabilder des Mondes zur Erde übertrug.

Im Museum gibt es eine Maskenpflicht, Abstand lässt sich aber leider nicht immer einhalten.

Wie in Baden-Württemberg gewohnt, gab es im Museum eine Mundschutz- und Abstandspflicht, die in den kleinen Räumen jedoch schwer einzuhalten war. Aber nach einer Woche mit weniger Abstand hatte ich mich daran gewöhnt.

Die zwanzigminütige Kinovorstellung über das Leben auf der ISS fand vor einem kleinen Publikum statt. Mit jeweils einer freien Reihe Sitze und Familiengruppen an entgegengesetzten Enden wurde für genügend Abstand gesorgt.

In Deutschland gibt es keine einheitliche Regelung von Abstands- und Maskenpflicht und jedes Bundesland hat eigene Verordnungen. In Sachsen wird bei Verstößen gegen die Maskenpflicht im Nahverkehr und in Geschäften ein Bußgeld von 60 Euro erhoben, wogegen in Baden-Württemberg der Betrag mit 100 bis 250 Euro deutlich höher ist.

Insgesamt war der Vogtland-Urlaub voller Wald und erholsamer Natur. Durch den wenigen Kontakt zu anderen Menschen fühlte sich Corona mancherorts weit weg an. Doch besonders, wenn man aus Baden-Württemberg kommt, wo Maske tragen und das Desinfizieren der Hände ein automatischer Teil des Alltags geworden sind, wirkte der Urlaub wie eine Reise in die Zeit vor der Pandemie.

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