Hallo Herr Pfisterer. Worum geht es beim Zertifikat Nachhaltigkeit – und aus welchen Formaten setzt sich das Programm zusammen?

Das Zertifikat ist ein neues, zusätzliches und freiwilliges Angebot an die Studierenden der Universität Freiburg. Ziel das Programms ist es, allen Studierenden zu ermöglichen, sich im Rahmen ihres Studiums mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen.

Das Programm strukturiert sich in drei Bereiche: Es gibt den Grundlagenbereich, den Wahlbereich und den Praxisbereich.

In diesem Wintersemester 2021/2022 starten wir mit dem Grundlagenbereich, dieser setzt sich aus einer Vortragsreihe und einigen Grundlagenveranstaltungen zusammen. Dafür können sich Studierende bereits über HISinOne anmelden.

Ab dem Sommersemester 2022 folgt der Wahlbereich, welcher ein breiteres Angebot an neuen und existierenden Kursen zum Thema Nachhaltigkeit beinhaltet. Es wird ganz neue Veranstaltungen zu interdisziplinären Nachhaltigkeitsthemen geben sowie thematisch passende BOK-Lehrveranstaltungen und curriculare Lehrveranstaltungen aus den Fakultäten.

Der Praxisbereich startet im Wintersemester 2022/2023. Im Rahmen dessen können Studierende am Service Learning Programm des ZfS teilnehmen. Außerdem wird es sogenannte Projektwerkstätten geben, in denen Studierende sich selbst ein Thema setzen und dieses unter Begleitung von Tutor*innen ein Semester lang verfolgen.

Studierende können eine beliebige Anzahl von Lehrveranstaltungen aus dem Programm belegen. Um das Zertifikat Nachhaltigkeit zu erhalten, müssen sie Lehrveranstaltungen im Umfang von 14 ECTS aus dem Programmbereich absolvieren. Welchen konkreten Nutzen hat ein solches Zertifikat?

Der konkrete Nutzen des Zertifikats ist individuell. Im Vordergrund stehen aus meiner Sicht die gewonnenen Perspektiven auf Nachhaltigkeit und die Kompetenzen, die in der Arbeit an konkreten Nachhaltigkeitsherausforderungen gebildet werden. Das Zertifikat als Bescheinigung dessen kann sich bei Bewerbungsprozessen positiv auswirken: Die Studierenden können so formal zeigen, dass sie Kenntnisse und Kompetenzen im Bereich Nachhaltigkeit mitbringen.

Welche Besonderheiten hat das Lehrprogramm?

Die Stärke des Programms ist eben die Fächervielfalt. Wir bieten Perspektiven auf Nachhaltigkeit aus Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Geisteswissenschaften und Technik. Ich finde es besonders, dass in der Vortragsreihe so viele Fakultäten beitragen, um ein facettenreiches Bild von Nachhaltigkeit zu zeichnen.

Außerdem bietet das Programm vielfältige Zugänge zum Thema Nachhaltigkeit. Im Rahmen der Grundlagenveranstaltungen geht es um Systemdenken, da spielen zum Beispiel Ökologie, Technik, institutionelle Rahmenbedingungen und Psychologie eine Rolle. Wir laden diese Disziplinen ein, zusammen an einen Tisch zu kommen. Dabei lernen wir auch, fächerübergreifend zu kommunizieren – denn die Disziplinen sprechen oft ganz unterschiedliche Sprachen.

Wie lässt sich das Zertifikat Nachhaltigkeit in den eigenen Studienplan integrieren?

Zunächst einmal können Studierende auch nach ein oder zwei Lehrveranstaltungen problemlos sagen „Ich habe das bekommen, was ich möchte, an dieser Stelle höre ich auf“. Ob eine Anerkennung der ECTS-Punkte im Rahmen des eigenen Studiums möglich ist, hängt von der Prüfungsordnung des Studiengangs ab. Die Leistungen sind für Bachelor-Studierenden für den BOK-Bereich des ZfS verwendbar. Bei Master-Studierenden könnte es sich schwieriger gestalten: Studierende von Masterprogrammen und Staatsexamen sollten sich deshalb vorab bei ihrer Studiengangkoordination erkundigen, ob eine Anrechnung der Lehrveranstaltungen im Rahmen der Prüfungsordnung möglich ist.

Das Programm startet zum Wintersemester 21/22 neu – Welche Idee steckt hinter dem Projekt?

Die Initiative für das Zertifikat Nachhaltigkeit geht zurück auf das studentische Nachhaltigkeitsbüro. Hier kamen engagierte Studierende zusammen und haben gesagt: „Uns fehlt ein solches Angebot für Nachhaltigkeitsthemen an der Uni Freiburg. Die bisherigen Angebote sind zu sehr auf Studiengänge begrenzt, wir wollen allen Studierenden die Möglichkeit geben, sich im Rahmen ihres Studiums damit auseinanderzusetzen.“ Die Studierenden haben die Idee mit viel Kreativität und Power gepusht. Daraufhin bildete sich ein Projektteam aus ZfS, der Stabstelle für Sicherheit, Umwelt und Nachhaltigkeit und dem Studentischen Nachhaltigkeitsbüro unter Leitung von Dr. Jürgen Steck und Verena Saller. Das Projektteam hat die Idee zu einem konkreten Lehrprogramm entwickelt. Ermöglicht wurde dies erst durch eine finanzielle Förderung des StuRa. Nun ist es soweit, und dieser Erfolg ist zu großen Teilen den Studierenden zu verdanken.